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22. November 2010

DVD-Kritik: Leaves of Grass

Genre: Drama / Komödie Produktion: USA 2009 Regisseur: Tim Blake Nelson Darsteller: Edward Norton, Melanie Lynskey, Susan Sarandon, Keri Russell, Richard Dreyfuss, Maggie Siff, Tim Blake Nelson FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Splendid / Warner

Stellt euch vor: Der Godfather of Movie Critics, Roger Ebert, bescheinigt einem Film, er sei einer der besten des Jahres und Edward Norton übernimmt dazu gleich beide Hauptrollen. Was glaubt ihr, wie lange der Film in deutschen Kinos läuft? … Na? … Richtige Antwort: Überhaupt nicht! Unverständlicherweise bekommt man es bei "Leaves of Grass“ mit einer Direct-to-DVD-Produktion zu tun. Für mich aber kein Grund, den seit gut einem Monat erhältlichen Streifen zu ignorieren, ereilten doch Nortons letzte Werke mit Ausnahme des Hulks ein ähnliches Schicksal (als da wären „The Illussionist“, „Down in the Valley“ sowie „Der bunte Schleier“) – und das, obwohl alle drei zweifelsohne besser sind als ein durchschnittlicher Kinofilm...

Bill Kincaid (Edward Norton) ist fast am Ziel seiner Träume angekommen: Dem Philosophieprofessor winkt eine Stelle an einer Elite-Universität. Vorher muss er aber zurück in sein altes Leben nach Oklahoma, da sein eineiiger Zwillingsbruder Brady (ebenfalls Edward Norton) angeblich gestorben ist. Doch dem ist nicht so: Der Marihuana-Züchter ist wohlauf und wollte Bill nur als perfektes Alibi in die Heimat locken. Denn er muss seine Probleme mit dem örtlichen Drogenbaron schnellstmöglich und am besten endgültig lösen. Erst sieht alles nach einem perfekten Plan aus, die Illusion funktioniert. Doch eine flüchtige Bekanntschaft droht alles auffliegen zu lassen…

Vor allem mimisch spielt Edward Norton die beiden grundverschiedenen Zwillinge herausragend glaubhaft. Man vergisst manchmal, dass er in Wahrheit mit der Luft anstelle seines Bruders agiert. Dies liegt auch an der guten Technik: So wirft Bradys Hand beispielsweise beim Ausholen einen realistischen Schatten auf das Hemd Bills - ein durchaus wichtiges Detail. Doch auch filmisch stimmt hier nahezu alles: Die Nebencharaktere gehen an der Seite der Brüder nicht unter, sondern sind entscheidend für die Glaubwürdigkeit der treffenden Dialoge und des stillen, aber sehr angenehmen Humors. Der Streifen selbst macht im Verlaufe der 100 Minuten eine interessante Wandlung vom ruhigen Drama über eine abgedrehte Komödie zum spannenden Krimi. Das mag nicht jedermanns Sache sein, wirkt aber nie aufgesetzt. Man hätte allerdings die Wandlung der Protagonisten gerne etwas tiefgründiger beleuchten dürfen, anstatt eine etwas unpassende Botschaft für eine bessere Welt zu thematisieren.

Der heimliche Star von „Leaves of Grass“ ist übrigens Tim Blake Nelson, der ausführender Produzent war, das Drehbuch schrieb, Regie führte sowie eine der wichtigsten Nebenrollen als Bradys bester Freund und Geschäftspartner übernahm. Unterstützt wird er dabei von der motivierten Darstellerriege und einer stets passenden Musikuntermalung. Technisch erlaubt sich die DVD keine Schwächen, sowohl Bild als auch Ton sind fehlerfrei. Gerade noch gut sind die Boni mit einigen Trailern und vor allem dem kurzen, aber sehr informativen Making-Of.

Andreas Fröhlich, Edward Nortons deutscher Stammsynchronsprecher, gibt sich übrigens alle Mühe, sowohl dem gebildeten Bill als auch dem hinterwäldlerischen Brady den Charakter des Originals zu verleihen. Dies gelingt ihm außerordentlich gut, wenngleich er den genialen, aber kaum verständlichen Südstaatenakzent Bradys in der hiesigen Fassung natürlich kaum imitieren kann. „Leaves of Grass“ fehlt also doch manches Detail zum „sehr gut“, was Filmfans aber nicht abhalten sollte, mit dieser dramatischen Krimi-Komödie einen angenehmen und abwechslungsreichen Abend zu verbringen.

Bild: gut
Ton: gut
Synchronisation: gut
Musik: gut
Schauspielerische Leistung: sehr gut
Drehbuch/Regie: gut
Kamera: gut
Extras: gut

Filmwertung: GUT – Note 1,9


Kommentare:

  1. Habe mich schon gefragt, wann der Norton-Fanboy diesen Film rezensiert ;-)

    Bin auch erstaunt, warum dieser Streifen nicht im Kino lief, wenn man sieht, was für Filme im Kino landen...

    Hat Edward Norton etwa derart an Zugkraft verloren?

    Wusste übrigens nicht, dass Danny DeVito eine schauspielernde Tochter hat.

    Allerdings habe ich auch schlechte Kritiken zum Film gelesen (siehe URL). Hätte mir den Film sowieso mal zu Gemüte geführt, allein schon, um zu sehen, wie Norton die Doppelrolle hinbekommt.

    Mal sehen, wann ich dazu komme....

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  2. Ich mag Filmstarts.de eigentlich - bzw. mochte es, bis sich die Seite diesem unsäglichen Relaunch unterzog. Aber Jan Hamms Kritik kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Allerdings ist es tatsächlich so: Der Film teilt sich gute und schwächere Rezensionen. Dies mag - wie im Test geschrieben - an der Genremischung liegen, die sicherlich nicht jedem gefällt.

    Und ja, Eddi hat scheinbar wirklich an Strahlkraft verloren. Das halte ich für sehr schade. Ich bin zwar nicht ganz objektiv, aber meiner Meinung nach ist er immer noch der beste, weil wandlungsreichste Mime seiner Generation, also vor Matt Damon, Leonardo Di Caprio und Co.

    Übrigens habe ich mir auch Hulk angeschafft. Verstehe zwar nicht, warum Norton sich auf diese eher "flache" Rolle eingelassen hat, werde aber auch ihn demnächst rezensieren.

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  3. Mir gefiel das alte Layout von Filmstarts auch besser. Lese dort aber gerne freitags die Tipps zum Wochenende (nur dort erfährt man, was Tele 5 manchmal für Mist zeigt).

    Auf die "Hulk"-Rezension bin ich gespannt. Habe den auch noch nicht gesehen. Wieso mal nicht ne "flache" Rolle? Das Leben ist doch nicht nur ARTE...

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  4. Ich fand die Genre-Mischung nicht schlecht - aber irgendwie doch unausgewogen, ja fast sogar unentschlossen. Dennoch ist hat der Streifen mit Ed Norton einen (bzw. zwei) grandioser Hauptdarsteller!

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