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1. November 2010

Note 1 - Die Besten: American Beauty

Genre: Drama Originaltitel: American Beauty Produktion: USA 1999 Regisseur: Sam Mendes Darsteller: Kevin Spacey, Annette Bening, Thora Birch, Wes Bentley, Mena Suvari, Chris Cooper, Peter Gallagher, Allison Janney FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Filmcovers): DreamWorks / Paramount

Ein Meisterwerk, fünf hochverdiente Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Original-Drehbuch, Bester Darsteller (Kevin Spacey), Beste Kamera. „American Beauty“ ist einer dieser Filme, die im Gedächtnis bleiben. Immer wieder ertappe ich mich dabei, mit einem Schmunzeln an Lester Burnhams urkomisches Kündigungsgespräch zu denken – oder aber ich sinniere über Ricky Fitts’ Monolog zu einem selbst gefilmten Video, in welchem eine Plastiktüte vom Wind durch eine Hofeinfahrt geweht wird. Es sind solche Momente, die Sam Mendes schlichtweg brillant eingefangen hat. So brillant wie viele der anderen Szenen in dieser Mischung aus wunderschöner Erzählung und schonungsloser Abrechnung mit dem amerikanischen Spießbürgertum.
„Mein Job besteht im Wesentlichen darin, die Verachtung zu verbergen, die ich gegen die leitenden Arschlöcher hege, und einmal am Tag die Herrentoilette aufzusuchen, um mir ordentlich einen zu wichsen.“
Lester Burnham (Kevin Spacey) führt ein lediglich auf den ersten Blick beschauliches Leben: Er hat einen langweiligen Job in der Werbebranche, lebt in einer symmetrisch angelegten Kleinstadtsiedlung mit einer Frau zusammen, für die er kaum mehr als Abscheu empfindet und hat eine Tochter, die ihn hasst. Es ist seine Geschichte. Doch gleichzeitig geht es um seine von Selbstzweifeln zerrissene Gattin, die Maklerin Carolyn (Annette Bening), die sich in eine skurrile Affäre mit dem „König der Immobilien“ stürzt. Und wir sehen seine Tochter Jane (Thora Birch), die mit dem – nach eigener Ansicht – schönsten Mädchen der Schule (Mena Suvari) befreundet ist und nebenbei von ihrem Nachbarn, dem oben bereits erwähnten Ricky Fitts, gefilmt wird, nach und nach aber den Jungen hinter der Kamera immer besser kennen lernt. Jenen Hobbyfilmer nämlich, der versucht, irgendwie mit seinem von Militärwahnsinn und Schwulenhass geprägten Vater und seiner apathischen Mutter zusammen zu wohnen. Und, und, und.
„Manchmal habe ich das Gefühl, all die Schönheit auf einmal zu sehen. Doch das ist einfach zu viel. Mein Herz fühlt sich dann an wie ein Ballon, der kurz davor ist zu platzen. Und dann geht mir durch den Kopf: Ich sollte mich entspannen und aufhören zu versuchen, die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen. Und ich kann nichts empfinden außer Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment meines dummen kleinen Lebens.“
Sam Mendes erzählt in knapp zwei Stunden so viel über diese so unterschiedlichen Charaktere. Er beleuchtet jeden davon so genau, wie es manch anderem Film nicht annähernd bei dessen Protagonist gelingt. Doch „American Beauty“ ist mehr als eine Charakterstudie: Es ist gleichzeitig eine scharfsinnige Satire, eine pointierte Komödie und ein mitreißendes Drama über das Leben. Sieht man den Filmtitel, könnte man Schlimmstes erahnen. Doch es geht um ein Amerika ganz ohne Pathos. Und um die Schönheit ohne jeden Kitsch. Alles in allem ein Film, den man gesehen haben sollte. Oder besser: den man gesehen haben muss.

Filmwertung: SEHR GUT – Note 1,1

Kommentare:

  1. achtung S P O I L E R!


    100 % Zustimmung.

    Der Film hat mich damals im Kino geflasht, auch wenn man fast sein eigenes Leben in Frage stellen möchte.

    Neben dem Kündigungsgespräch finde ich noch das Arbeiten im Drive-In sehr amüsant.

    Thora Birch (die war bei den Dreharbeiten bestimmt erst 16 und dann gleich so eine Szene *glubsch*) und Mena Suvari schaut man(n) sich auch gerne an.

    Ich weiß aber nicht, ob ich Mena Suvari zurückgewiesen hätte ;-)

    Am meisten beeindruckt hat mich der Schluß, der vom Ergebnis ja schon bei Filmbeginn verraten wurde:Lester ist tot, hat aber ein Grinsen auf dem Gesicht. Trotz dieses pessimistischen Endes fühlte man sich irgendwie wohl. Mag absurd klingen, war aber so.

    Der Film war einer meiner ersten DVDs. Ein Pflichtfilm ganz vorne in der "Best Of"-Liste, wahrscheinlich neben "Die Verurteilten" (fällt mir gerade ein, weil der kürzlich in den dritten Programmen rotierte...)

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  2. (SPOILER im Kommentar) Ach ja, American Beauty hat so viele Szenen, an die es sich zu erinnern lohnt. Deine ehrlichen Zweifel bzgl. Mena Suvari kann ich nachvollziehen. Allerdings sieht man das vielleicht anders, wenn man das Alter und die Reife des Lester Burnham erreicht hat...? Das Ende ist nicht sonderlich pessimistisch, wie ich finde. Klar sieht ein Happy End anders aus, aber man wünscht Lester doch vor allem eines, wenn er denn schon sterben muss: Einen glücklichen Tod. Und den bekam er ja!

    Die Verurteilten möchte ich bald mal wieder sehen, ist ja bei imdb und ofdb in der Top 10 der besten Filme aller Zeiten. Ich kann mich aber nur noch stelllenweise daran erinnern. Wer weiß, vielleicht ist er ja der nächste Vertreter der Kategorie "Note 1 - Die Besten"...

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  3. Zählt definitiv auch zu meinen Lieblingsfilmen! Einfach klasse, ein Abklatsch der modernen Gesellschaft.

    Haller

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  4. Ja Mensch, der Herr Haller!

    Danke für deinen Kommentar. Kannst für deine geistigen Ergüsse im Drop-Down-Menü auch "Name/URL" wählen, dann sieht man deinen Namen gleich oben.

    Hau rein!

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