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2. August 2011

Kurz kritisiert: Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen

Genre: Dokumentation Originaltitel: Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen Produktion: D 2011 Regisseur: Aljoscha Pause Darsteller: Thomas Broich u.a. FSK: ab 0 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Mindjazz Pictures

Thomas Broich kann auf ein wahrlich bewegtes Fußballerleben zurückblicken - und das, obwohl er mit 30 Jahren noch immer als Profi gegen den Ball tritt. Lange Zeit gehörte er neben Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski zu den aufstrebenden Talenten, die bei der WM 2006 für Furore sorgen sollten. Doch es kam anders: Während die Erstgenannten bereits unzählige Länderspiele bestritten haben, durfte Thomas Broich nie das Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft überstreifen. Und so entstand eben nicht der vom Regisseur erwartete Film über einen baldigen Star, sondern das Zeitzeugnis eines langen Absturzes und einer späten Erlösung. Der Filmtitel geht übrigens auf die erste E-Mail-Adresse des Kickers zurück, in der er die Brücke zu seinem großen Idol Zinedine Zidane schlägt: tommeetszizou@aol.com.

Die erste Langzeitdokumentation (2003-2011) über einen deutschen Fußballer besteht vor allem aus Spielszenen, Interviews mit Thomas Broich und vielen seiner Weggefährten, etwa Christoph Daum, zu dem er kein gutes Verhältnis hatte, und dem Reflexion des ganzen durch den inzwischen wieder geerdeten Menschen. Mitspieler und Trainer erzählen süffisant von ihrer Verwunderung über seinen Hang zur klassischen Musik und vor allem zur Literatur, die Presse nimmt dies dankbar auf. Broich ist eben kein normaler Fußballprofi: Er ist technisch herausragend, fast schon ein Künstler, doch stimmt sein Lebensstil nicht mit dem überein, was man hierzulande als richtig erachtet, wenn man in der Bundesliga und Nationalmannschaft Fuß fassen will.

Und so macht auch der Film eine Wendung: Vom jungen Talent, das von der Presse als „Mozart“ bezeichnet wurde und mit glänzenden Augen Begeisterung über das Interesse an ihm berichtet, über den immer mehr grübelnden Status als verletzter, formschwacher und von vielen Trainern missverstandener Fußballkünstler mit fehlendem Ergeiz bis hin zum Neuanfang in Australien und dem Blick zurück auf eine alles andere als gewöhnliche Karriere. Dabei lernt man den Protagonisten als durchaus selbstkritischen Menschen kennen, der aber auch nicht ganz verstecken kann, dass er dennoch viel von sich und seiner Persönlichkeit hält. Dass ihn dies dennoch nicht unsympathisch erscheinen lässt, liegt auch an der guten filmischen Umsetzung durch den Dokumentarfilmer Aljoscha Pause, der den Zuschauer in über zwei Stunden mit guter Musik, auflockerndem Humor, gelungenen Schnitten und beeindruckenden Spielszenen bei der Stange hält. Wer sich auch nur ansatzweise für die Hintergründe der ach so schönen Bundesligawelt interessiert, darf sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Filmwertung: GUT – Note 1,8



Anmerkung: Alle sechs hochinteressanten Trailer zum Film listete ich bereits vergangene Woche übersichtlich auf: Zur Trailer-Show.

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