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7. Dezember 2010

Jim Jarmusch Special: Down by Law

Genre: Drama / Komödie Produktion: D / USA 1984 Regisseur: Jim Jarmusch Darsteller: John Lurie, Roberto Benigni, Tom Waits, Nicoletta Braschi, Ellen Barkin FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Kinowelt / Arthaus

New Orleans war kein gutes Pflaster: Der mäßig erfolgreiche Jack (John Lurie) und der ehemalige Radio-DJ Zack (Tom Waits) werden beide zu Unrecht verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die beiden können sich von Anfang an nicht ausstehen, sind aber gezwungen, eine Zelle zu teilen. Schier unerträglich wird dies, als der unglaublich lebensfrohe Italiener Roberto (Roberto Benigni) die beiden mit seinen kümmerlichen Englisch-Kenntnissen, schlechten Witzen sowie nervigen Sprüchen und Zitaten regelmäßig auf die Palme bringt. Doch der wohlgemute Immigrant kennt auch einen Weg, um dem Gefängnis zu entfliehen – nicht ahnend, dass die Zweckgemeinschaft der drei Häftlinge in den Sümpfen Louisianas noch größeren Belastungen ausgesetzt sein wird…
„You always makin' big plans for tomorrow. You know why? Because you always fuckin' up today!” (Die Prostituierte Bobby zu Jack, ihrem Zuhälter)
Gefängnisausbruch, Flucht, verschiedenste Charaktere… Doch alle Fans von „Prison Break“ seien ausdrücklich gewarnt: Dieser Film aus meinem Geburtsjahr hat wahrlich nichts mit der erfolgreichen TV-Serie gemein: Das Bild schwarz-weiß, der Ton verrauscht, lediglich deutsche Untertiel statt kompletter Synchronisation, zwar passende, aber letztlich doch alles andere als treibende Musik, langsame Kamerafahrten statt schneller Schnitte – doch nicht nur technisch trennen diese beiden Produktionen Welten. Jim Jarmusch legte auch in seinem vierten Werk besonderen Wert auf seine wenigen Figuren und deren größtenteils improvisierten Dialoge. Ähnlich wie in „Stranger than Paradise“ gelingt ihm dies hervorragend. Die Chemie stimmt, jede Szene wirkt glaubhaft. Und auch Freunde des subtilen Humors kommen auf ihre Kosten, etwa als Roberto neben Jack und Zack auch alle anderen Gefängnisinsassen mit seinem Reim I scream, you scream, we all scream for ice cream in einen geradezu euphorischen Tanz versetzt und so ganz nebenbei die durch die schwarz-weiße Aufnahme unterstrichene Trost- und Hoffnungslosigkeit des Lebens hinter schwedischen Gardinen für kurze Zeit durchbricht.
Roberto: “It is a sad and beautiful world.” Zack: “Yeah, it's a sad and beautiful world, buddy.”
Für einen Film dieses Alters ist die schiere Masse an Extras wahrlich beeindruckend: Zahlreiche geschnittene Szenen, ein aktuelles, sprachlich äußerst fehlerhaftes, aber inhaltlich interessantes Interview mit dem niederländischen Kameramann Robby Müller sowie drei ebenfalls erst für die DVD aufgenommene Telefonate Jim Jarmuschs mit seinen drei damaligen Hauptdarstellern haben zusammmen eine Laufzeit von knapp über zwei Stunden. Außerdem erfährt der interssierte Zuhörer, dass Roberto Benigni auch im wahren Leben nur sehr gebrochen Englisch spricht, aber dafür mindestens genauso übertrieben (fast schon nervtötend) fröhlich ist. Das Fazit ist sehr einfach: Independent-Fans sollten „Down by Law“ gesehen haben, Angehörige der Generation „Prison Break“ sollten sich dies überlegen, da ihnen die Inszenierung zu spannungsarm sein könnte.

Filmwertung: GUT – Note 2,0



Anmerkung: Im „Jim Jarmusch Special“ werde ich alle neun Filme der nach dem eigenwilligen Filmemacher benannten Collection (siehe Bild) nacheinander vorstellen. Demnächst folgt also Jarmuschs viertes Werk, „Mystery Train“. Außerdem enthalten sind:

• Permanent Vacation (Zur Kritik)

• Stranger than Paradise (Zur Kritik)

• Down by Law

• Mystery Train

• Night on Earth

• Dead Man
• Year of the Horse

• Ghost Dog - Der Weg des Samurai
• Coffee and Cigarettes

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