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10. August 2010

Serien-Check: In Treatment - Der Therapeut

Genre: TV-Drama-Serie Produktion: USA 2008 Regisseur: Rodrigo Garcia u.a. Darsteller: Gabriel Byrne, Dianne Wiest, Michelle Forbes, Mia Wasikowska, Blair Underwood, Embeth Davidtz, Josh Charles, Melissa George FSK: n.n.b. Anbieter (und Copyrightinhaber des verlinkten Filmplakats): HBO

Viele Serien der letzten Jahre gleichen sich wie ein Ei dem anderen: Da wären jene mit in sich abgeschlossenen Episoden (meistens Krimis), solche mit Cliffhangern nach jeder Folge (z.B. „24“) und eben Mischungen, die kleinere Handlungsstränge abschließen und gleichzeitig größere Themen über viele Folgen oder gar Staffeln mittragen (z.B. „Scrubs“). Aber eines ist sicher: Es gibt keine Serie wie „In Treatment“.

Im amerikanischen Pay-TV-Kanal HBO lief diese Adaption der israelischen Serie „BeTipul“ ab 2008, bei uns übertrug unter anderem 3Sat (!) Anfang des Jahres die erste Staffel. Es geht dabei um den Therapeuten Dr. Paul Weston (Gabriel Byrne), den der Zuschauer regelmäßig bei einigen seiner Fälle begleitet. Jeweils fünf Folgen entsprechen dabei den fünf Werktagen einer Woche. Von Montag bis Donnerstag sehen wir also jeweils einen Patienten, freitags sucht der Therapeut selbst eine Kollegin auf. Die fünf regelmäßig wiederkehrenden Episoden handeln von folgenden Patienten:
  • Montag, 9 Uhr: Laura (Ärztin, gespielt von Melissa George) ist bereits ein Jahr bei Paul in Behandlung und gesteht diesem nun, dass sie in ihn verliebt ist. Eine heikle Situation, wäre es für den Therapeuten doch äußerst unethisch, auf die Avancen einzugehen.
  • Dienstag, 10 Uhr: Alex (Militärpilot, gespielt von Blair Underwood) bombardierte im Irak eine Schule, wobei viele Unschuldige starben. Anschließend erleidet er im Urlaub einen Herzinfarkt und begibt sich daher – anfangs äußerst widerwillig – in Therapie.
  • Mittwoch, 16 Uhr: Sophie (Schülerin / Kunstturnerin, gespielt von Mia Wasikowska) benötigt ein psychologisches Gutachten, um der Versicherung zu beweisen, dass ein von ihr verursachter Verkehrsunfall kein Selbstmordversuch war. Doch entspricht dies wirklich der Wahrheit?
  • Donnerstag, 17 Uhr: Jake und Amy (gespielt von Josh Charles und Embeth Davidtz) versuchten über viele Jahre, ein zweites Kind zu bekommen. Nun, da Amy schwanger ist, überlegt sie jedoch, das Ungeborene abtreiben zu lassen. Ganz gegen Jakes Willen, weshalb das Paar den Seelenklempner aufsucht.
  • Freitag, 19 Uhr: Paul besucht Gina (Therapeutin im Ruhestand, gespielt von Dianne Wiest), seine ehemalige Supervisorin, um mit ihr über die Probleme mit seinen Patienten, seine Ehe und nicht zuletzt sich selbst zu sprechen.
Fazit: Gänzlich daneben liegen jene Serien-Fans, die schnelle Schnitte, immer neue Schauplätze und Charaktere sowie harmlose Kurzweil erwarten. „In Treatment“ spielt nahezu immer in Paul Westons Arbeitszimmer, bei kaum einer Folge erkennt man mehr als ein bis zwei Schnitte. Der Fokus liegt also eindeutig auf den intensiven Gesprächen, die oftmals so weit in die Seele der Patienten blicken lassen, dass es dem Zuschauer fast schon unangenehm ist. Alle Darsteller spielen sich dabei förmlich in einen Rausch, harmonieren prächtig, selbst Mimik und Gestik sind stets absolut glaubwürdig. Wer sich auf „In Treatment – Der Therapeut“ einlässt, wird mit einem Tiefgang belohnt, der bei TV-Serien seinesgleichen sucht.

Serienwertung: SEHR GUT – Note 1,3

Unentschlossene sollten sich zumindest den Trailer zu Gemüte führen, der in zwei Minuten einen guten ersten Eindruck von dem vermittelt, was Zuschauer und Patienten erwartet:



Anmerkung: Bisher lief die Serie hierzulande nur im Fernsehen. Eine Veröffentlichung auf DVD ist leider noch nicht in Sicht. Die Folgen der ersten Staffel werden derzeit von ZDFneo ausgestrahlt.

Kommentare:

  1. Huiuiui, ich bin so gespannt auf die Serie. Bin schon ganz zappelig. Hab nur noch ein paar Folgen Sopranos vor mir und dann gehe ich auch "In Treatment". :)

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  2. Ich bin mir sicher, du wirst es nicht bereuen. Man brraucht zwar ein paar Folgen, bis man "drin" ist, aber dann willst du nicht mehr aufhören. Viel Spaß! Und vergiss nicht, hier wieder Bericht zu erstatten, wenn du dir eine Meinung gebildet hast. :-)

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  3. Zwischenstand: Ich bin bei Folge 14 und schon seit Folge 1 überzeugt. An der Serie bleibe ich definitiv dran. :)

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  4. Freut mich sehr! Genieß den Rest der ersten Staffel, denn die zweite macht mich irgendwie nicht so recht an. Kannst ja mal den Trailer sehen, wenn du alle 43 Folgen "überstanden" hast - dann weißt du sicher auch, warum...

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  5. So, die erste Staffel habe ich jetzt regelrecht verschlungen. Eine außergewöhnliche Serie, die ungemein fesselt. Ich hab mich sofort in die zahlreichen Subtexte der Dialoge und Handlungen verliebt und die vielen bewussten und unbewussten Tests, mit denen die Protagonisten konfrontiert werden. Das ist ungemein intelligent und dementsprechend befriedigend wirkte auch die ganze Staffel.

    Sehr schön auch, wie die zu Beginn noch so strikt wirkenden Strukturen (ein Patient pro Tag, der Therapeut bleibt immer auf professioneller Distanz, etc.) schon früh durchbrochen werden. Das verleiht "In Treatment" eine gewisse Unberechenbarkeit und steigert die Spannung.

    Überhaupt ist die Serie meiner Meinung nach ein Paradebeispiel dafür, wie man allein mittels durchdachter Charaktere und Dialoge Spannung erzeugen kann, die so manches große Krawallkino bei weitem übertrifft.

    Nur einen Kritikpunkt habe ich: "In Treatment" verliert leider eine gute Portion an Glaubwürdigkeit dadurch, dass alles viel zu schnell voran geht. Teilweise treten die therapeutischen Durchbrüche im Wochentakt auf, was einfach unrealistisch wirkt. Aber es ist verständlich, dass sich die Macher keine 30 Folgen leisten können, in denen einfach mal nichts passiert und die Beteiligten scheinbar keinen Schritt weiter kommen. Das Tempo ist also einfach dem Medium geschuldet und deshalb ein Kritikpunkt, der mich letztendlich nicht wirklich stört.

    Ich hab mir soeben auch die erste Woche der zweiten Staffel angesehen und durch die massiven Veränderungen wird den Zuschauern einiges abverlangt. Ich bin aber guter Dinge, dass ich mich hoffentlich schnell auf die neuen Gegebenheiten einstellen kann und die zweite Staffel ebenso genießen werde wie die erste.

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  6. Danke für deine ausführliche Kritik, war sehr interessant. In den meisten Punkten stimme ich dir zu: Das Erzähltempo ist etwas zu hoch, wäre das aber anders, würde sich die breite Masse sicherlich noch schneller abwenden. Dass nicht jede Episode bis zum Ende durchgezogen wird, gefällt mir sehr. Dir ging es sicherlich aber auch mal so, dass du gerne eine Woche weiter gesprungen wärst, nur um zu sehen, was in der nächsten Sitzung mit einem bestimmten Patienten geschieht, oder?

    Zur zweiten Staffel sah ich nur den Trailer, weshalb ich da noch nicht mitreden kann. Ich will auch warten, bis es die Folgen in der deutschen Synchro hat. Denn die fand ich in Staffel 1 sehr gelungen. Außerdem sehe ich bereits die Sopranos (gezwungenermaßen, bei der schlechten Sprecherwahl!)im Original, das muss nicht bei jeder Serie sein...

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  7. Mir ging es genauso. @zur nächsten Sitzung springen. Allerdings hat sich dann meist die Geschichte des nächsten Patienten ebenso interessant entwickelt, sodass ich am Ende eigentlich am liebsten alles gleichzeitig gehabt hätte. ;)

    Die Synchro fand ich auch gut, aber ich muss sagen, dass Gabriel Byrne im O-Ton einen interessanten britischen Akzent hat, der mir gerade sehr taugt für den Charakter. Etwas stören tut mich, dass ich manchmal auf englische Begrifflichkeiten stoße, die ich nicht wirklich verstehe. Da hilft es auch nichts, dass ich in Englisch mal Einserschüler war. :-/

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  8. Der erste Absatz beschreibt schon zur Genüge, warum man sich dieses Serien-Meisterwerk nicht entgehen lassen darf.

    @ O-Ton: Gerade wegen mancher Begrifflichkeit will ich nicht auf den deutrschen Ton verzichten. Auch ich war Einserschüler, stets der Klassenbeste in Englisch, aber das heißt nicht, dass mein Wortschatz ausreicht bzw. ausreichen kann, um solche komplexen Themen abzudecken. Und bevor mir was verloren geht, vertrau' ich lieber der Synchronfassung. Bei den Sopranos käme das wie gesagt nicht in Frage, aber hier gehe ich davon aus, dass die Übersetzung gelungen ist...

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