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29. April 2011

TV-Tipps: Die drei Begräbnisse der schönen Kokosnuss

Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. Die nächste Woche wird bestimmt von zahlreichen Blockbustern aus Amerikas Filmschmiede Nr. 1. Dennoch bin ich mir sicher, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein wird, denn alle erwähnten Filme gehören aus meiner Sicht zu den besten ihres jeweiligen Genres...


Samstag, 30.04.2011:

ARD, 23.45 Uhr: Death Proof (mit Kurt Russell)
Wenn Quentin Tarantino und Robert Rodriguez auf die Idee kommen, das fast in Vergessenheit geratene Genre der Grindhouse-Filme wiederzubeleben, kann das Ergebnis nur polarisieren. Und tatsächlich: Death Proof, Tarantinos Anteil am Grindhouse-Projekt, ist herrlich abgefahren, beinhaltet absichtlich zahlreiche Bild- und Tonfehler und hat mir auch deshalb großen Spaß bereitet. Wenn Stuntman Mike (Kurt Russell) mit seinem getunten Raser Miezen meuchelt und dabei immer wieder die für den Regisseur typischen ausufernden Dialoge über Gott und die Welt zu hören sind, bin ich voll dabei!

Sonntag, 01.05.2011:

KABEL 1, 20.15 Uhr: A Beautiful Mind (mit Russell Crowe und Ed Harris)
Der hochbegabte, aber verhaltensauffällige Mathematikstudent John Nash (Russell Crowe) wandelt ständig auf dem schmalen Pfad zwischen Genie und Wahnsinn. Und das war‘s - mehr wird nicht verraten, sonst ist die Spannung raus. Ich kann euch dieses spannende und intensive Thriller-Drama jedenfalls nur wärmstens ans Herz legen. Auch wenn nicht jeder Aspekt von John Nashs Leben eingefangen wurde, kann der auf wahren Tatsachen beruhende Film absolut überzeugen. Unbedingt ansehen! Mein Highlight des Wochenendes!

Montag, 02.05.2011:

MDR, 0.15 Uhr*: John Q. - Verzweifelte Wut (mit Denzel Washington und Robert Duvall)
John (Denzel Washington) wird aus lauter Verzweiflung zum Geiselnehmer in einem Krankenhaus, um die Herztransplantation seines Sohnes trotz fehlender Versicherung zu erpressen. Dieses Thriller-Drama ist allein schon wegen des wunderschönen Ave Maria zu Beginn sehenswert. Doch auch die Darsteller, Emotionen und das geniale Ende können überzeugen - auch wenn Hollywood manchmal etwas zu stark an der Gefühlsschraube dreht.


Dienstag, 03.05.2011:

KABEL 1, 0.50 Uhr*: Duell - Ememy at the Gates (mit Jude Law und Ed Harris)
Schon wieder Ed Harris: Diesmal spielt er den deutschen Major König, der im Zweiten Weltkrieg auf den russischen Scharfschützen Saitsev (Jude Law) angesetzt wird. Großartiger Film über zwei beinahe unsichtbare Tötungsmaschinen, der allerdings keine Geschichtsstunde ist - dafür ist zu viel frei erfunden.

Mittwoch, 04.05.2011:

SWR, 23.00 Uhr: Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (mit Tommy Lee Jones)
Der Arbeiter Pete (Tommy Lee Jones) steht zu seinem Wort: Er versprach seinem Freund, dem illegalen Einwanderer Melquiades Estrade - sollte dieser sterben , dessen Leiche nach Mexiko zu bringen - ein kompliziertes Vorhaben. Das Regiedebüt des Hauptdarstellers ist humorvoll, ungewöhnlich und spielt gekonnt mit der Wahrnehmung des Zuschauers. Sehenswert.

Donnerstag, 05.05.2011:

VOX, 22.45 Uhr: American History X (mit Edward Norton)
Der ehemalige Neonazi Derek (Edward Norton) versucht nach jahrelanger Haft, seinen Bruder Denny (Edward Furlong) von dessen Vorhaben abzuhalten, in die rassistischen Fußstapfen des Vorbildes zu treten. Schauspielerisch ist das absolut herausragend, filmisch genial. Ich wüsste nicht, was man an diesem Film hätte besser machen könnte. Zweifelsohne mein Highlight der Woche!

Freitag, 06.05.2011:

VOX, 01.25 Uhr*: Good Will Hunting (mit Matt Damon, Ben Affleck und Robin Williams)
Wegen seiner sozialen Inkompetenz ist Will (Matt Damon) lediglich Putzkraft an einer Universität. Außerdem versucht sein Psychiater (Robin Williams) alles, um ihn auf die rechte Bahn zu lenken. Trotz bester Kritiken gilt das Drama immer noch als Geheimtipp. Für ich unverständlich: Wer das Genre mag, kommt meines Erachtens an Gus van Sants Regiearbeit nicht vorbei.

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Die Entschuldigung der Woche…


… geht an Monty Python
Am Montag wurden die tapferen Ritter der Kokosnuss (ARTE, 20.15 Uhr) von John Q. in die Flucht geschlagen, drei Tage später verlor Das Leben des Brian (erneut auf ARTE, erneut um 20.15 Uhr) ganz knapp gegen „American History X“. Doch vor allem die am Donnerstag ausgestrahlte Persiflage auf das Leben Jesu Christis ist so herrlich absurd und unglaublich komisch, dass sie nicht unerwähnt bleiben darf. Ich bitte zutiefst um Verzeihung, dass es jeweils nicht zum Tagestipp gereicht hat. Ich pöser Widerporst!

Der Untipp der Woche:

Collateral Damage - Zeit der Vergeltung (Samstag, PRO 7, 22.55 Uhr)
Arnold Schwarzenegger, die Ein-Mann-Armee, jagt bösen Buben bis nach Kolumbien hinterher. Diese Karikatur einer echten Story ist aber noch lange kein Grund, einen solch strunzdoofen Film abzuliefern. Wer genauer wissen möchte, warum hier letztlich der qualitätsverwöhnte Zuschauer als titelgebender Kollateralschaden zurückbleibt, kann sich ja die erste Folge meines inzwischen bereits seit einiger Zeit still gelegten Podcasts anhören, in welchem ich genauer auf den Action-Kracher eingehe - doch erwartet keine allzu positiven Worte…

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Montag läuft also in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Top-Sender der Woche: KABEL 1 und VOX (je zwei Empfehlungen)

Hollywood, wohin das Auge schaut. Dennoch eine großartige Fernsehwoche! Was meint ihr?

25. April 2011

DVD-Kritik: Antikörper

Genre: Thriller Originaltitel: Antikörper Produktion: D 2005 Regisseur: Christian Alvart Darsteller: Wotan Wilke Möhring, André Hennicke, Heinz Hoenig, Ulrike Krumbiegel, Hauke Diekamp, Jürgen Schornagel, Nina Proll, Hans Diehl FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Kinowelt

Der Dorfpolizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) sucht seit Jahren nach dem Mörder eines jungen Mädchens. Als in Berlin ein pädophiler Serienkiller gefasst wird, reist er dorthin. Und obwohl er keine Erfahrung mit solchen Verhörsituationen hat, scheint er einen Draht zu dem äußerst intelligenten Massenmörder Gabriel Engel (André Hennicke) zu haben. Dieser gesteht über zehn Morde, nur den an dem Mädchen nicht…

Spontan könnte man meinen, es handle sich bei „Antikörper“ um ein billiges deutsches Plagiat zu „Das Schweigen der Lämmer“. Doch weit gefehlt: Regisseur Christian Alvart versteht es geschickt, mit orchestral-sphärischer Musik, guten Surround-Effekten und einem tollen Erzähler, von der ersten Minute an eine unheimliche und spannende Stimmung aufzubauen. Lediglich das grieselige Bild fällt etwas ab. Die Dialoge sind dagegen gewitzt, intelligent und auch reizen auch sprachlich die Alterseinstufung voll aus. Es gibt übrigens auch eine nette Anspielung auf Hannibal Lecter, das vermeintliche filmische Vorbild.


Schade, dass nicht alle Schauspieler das hohe Niveau des Drehbuches halten können. Vor allem bei Wotan Wilke Möhring meint man immer wieder, er spiele ein Theaterstück, so nah agiert er am (stimmlichen) Overacting. André Hennecke überzeugt dagegen als perfider Killer größtenteils, was vieles rettet. Alles in allem spielt „Antikörper“ mit den vielschichtigen Elementen, die einen guten Thriller ausmachen: Geschickt wurden unvorhersehbare Wendungen eingebunden, die Spannung steigert sich zusehends. Es ist toll, einen Thriller zu sehen, der auch erfahrene Genrefans zu überraschen vermag. Wären die Schauspieler besser, hätte dieser Film die Note „sehr gut“ erhalten. So reicht es immerhin zu einer verdienten Zwei. Ansehen!

Bild: befriedigend
Ton: sehr gut
Synchronisation: -
Musik: gut
Schauspielerische Leistung: befriedigend
Drehbuch/Regie: sehr gut
Kamera: gut
Extras: - (siehe „Anmerkung“ weiter unten)

Filmwertung: GUT – Note 2,2



Anmerkung: Getestet wurde der Film als Beileger des SFT-Magazins 05/11, das ab Mittwoch (27. April) bis Ende Mai für 4,50 € am Kiosk zu haben ist. Außerdem sind auf dem Silberling drei Trailer und die Komödie „Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit“ enthalten, die ich bereits rezensiert habe. Wer mehr über die Zeitschrift und die weiteren Inhalte erfahren möchte, klickt hier oder hier.

DVD-Kritik: Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit

Genre: Komödie Originaltitel: Assassination of a High School President Produktion: USA 2008 Regisseur: Brett Simon Darsteller: Mischa Barton, Reece Thompson, Bruce Willis, Josh Pais, Kathryn Morris FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Capelight / Universum

Bobby Funke (Reece Thompson) möchte unbedingt an einem renommierten College Journalismus studieren und bezichtigt den Schülersprecher in einem aufsehenerregenden Bericht als den gesuchten Dieb der Zulassungsarbeiten, die dem Rektor (Bruce Willis) gestohlen wurden. Doch Bobby merkt bald, dass der Beschuldigte vielleicht doch nur ein kleines Mosaiksteinchen in einer Sache viel größeren Ausmaßes war. Er geht der Sache auf den Grund, erfreut sich aber auch an seinem neuen Leben an der Seite der begehrten Francesca (Mischa Barton)…

Was etwas holprig wie eine Mischung aus Drama und Komödie beginnt, entwickelt sich mehr und mehr zum spaßigen Thriller. Dabei wird der Zuschauer von Bobbys Erzählerstimme aus dem Off geleitet. Dies mag ich ebenso sehr wie Highschool-Filme im Allgemeinen. Daher verzeihe ich auch gerne kleinere Schwächen, etwa seltene Logiklöcher, oberflächliche Charaktere und das absehbare Ende. Der durchaus witzige Bruce Willis ist zwar nicht sehr häufig zu sehen, doch überzeugt auch der restliche Cast mit einigen halbwegs bekannten Gesichtern aus der zweiten Reihe talentierter Jungschauspieler.

Zwar ist der Streifen mit dem außergewöhnlich langen Titel nicht so lustig wie intendiert, allein der Spanischlehrer (Josh Pais) sorgt aber für viele Lacher, die bereits das Ansehen lohnen. Technik und Synchronisation der Silberscheibe wissen ebenso zu gefallen, weshalb „Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit“ für einen unanstrengenden Filmnachmittag oder -abend durchaus geeignet ist. Man sollte aber wie ich mit eher geringen Ansprüchen herangehen, da sonst die eine oder andere Enttäuschung droht.

Bild: gut
Ton: gut
Synchronisation: gut
Musik: befriedigend
Schauspielerische Leistung: gut
Drehbuch/Regie: befriedigend
Kamera: gut
Extras: - (siehe „Anmerkung“ weiter unten)

Filmwertung: BEFRIEDIGEND – Note 2,9



Anmerkung: Getestet wurde der Film als Beileger des SFT-Magazins 05/11, das ab Mittwoch (27. April) bis Ende Mai für 4,50 € am Kiosk zu haben ist. Außerdem sind auf dem Silberling drei Trailer und der Thriller „Antikörper“ enthalten, den ich ebenfalls rezensiert habe. Wer mehr über die Zeitschrift und die weiteren Inhalte erfahren möchte, klickt hier oder hier.

20. April 2011

TV-Tipps: Passion und Untergang der künstlichen Intelligenz



Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. Wie immer gibt es während der Osterfeiertage viele interessante Programme, weshalb ich Euch nur raten kann, einen genauen Blick in die Fernsehzeitschrift eures Vertrauens zu werfen. Etwa konnte ich dem sehr guten Johnny-Cash-Biopic „Walk the Line“ (Sonntag, RTL II, 20.15 Uhr) keinen Platz einräumen…

Samstag, 23.04.2011:

KABEL 1, 22.05 Uhr: Die Passion Christi (mit James Caviezel und Monica Bellucci)
Mel Gibsons Verfilmung der letzten Tage Jesus Christis sind polarisierend wie kaum ein anderer Film: „Die Passion Christi“ ist hammerhart und überaus blutig. Gleichzeitig überzeugt aber die Leistung der Darsteller, die unglaubliche Intensität des Gezeigten sowie der stets passende Soundtrack. Genial ist der Verzicht auf westliche Synchronfassungen, gesprochen wird lediglich Aramäisch, Hebräisch und Latein - natürlich mit deutschen Untertiteln. Dieses monumentale Epos von ungeahnter Größe war für mich die beeindruckendste Filmerfahrung, die ich je hatte. Damit ist die folgende Ellipse keine Überraschung: Mein Highlight der Woche!

Sonntag, 24.04.2011:

BR, 22.30 Uhr: Paris, je t‘aime (mit Juliette Binoche, Steve Buscemi, Willem Dafoe, Elijah Wood, Natalie Portman und vielen, vielen mehr)
In 115 Minuten werden gleich 18 Episoden gezeigt, die von unterschiedlichen Regisseuren - unter anderem von Joel und Ethan Coen sowie Gérard Depardieu - in verschiedenen Stadtteilen gedreht wurden. Es geht dabei jeweils dem Titel entsprechend um Paris und die Liebe. Leider sah ich diesen Episodenfilm selbst noch nicht, kann also keine Wertung aussprechen. Aber ich bin mir sicher, dass „Paris, je t‘aime“ eine lohnende Filmerfahrung ist.

Montag, 25.04.2011:

RTL, 22.00 Uhr: Zodiac - Die Spur des Killers (mit Robert Downey Jr. Und Jake Gyllenhaal)
Die wahre Geschichte des amerikanischen Serienkillers, der im San Fransisco der späten 60er Jahre sein Unwesen trieb, wurde von David Fincher spannend verfilmt. Zwar hätte dem Streifen die eine oder andere weitere Freiheit gut getan, doch gehört er nach „Fight Club“ und „Sieben“ zu den besten Werken des Regisseurs.

Dienstag, 26.04.2011:

SAT. 1, 20.15 Uhr: FC Schalke 04 - Manchester United (Anstoß: 20.45 Uhr)
Keine Frage: Steht ein deutscher Verein im Halbfinale der europäischen Königsklasse, ist dies das Highlight des Tages. Nach dem ebenso überraschenden wie hochverdienten Sieg gegen Inter Mailand im Viertelfinale (5:2 und 2:1) wartet nun erneut ein harter Brocken auf die Gelsenkirchener - und auf uns vielleicht erneut ein spannendes Fußballfest.

Mittwoch, 27.04.2011:

RBB, 22.45 Uhr: Der Untergang (mit Bruno Ganz und Alexandra Maria Lara)
Nach den letzten Tagen im Leben Jesus (siehe Samstag) erlebt man in Oliver Hirschbiegels Kriegsfilm das Ende von Adolf Hitler und dessen Nazi-Regime. Bruno Ganz brilliert als ein von Parkinson gezeichneter, verblendeter Despot, der hier aber auch ein menschliches Gesicht erhält. Dabei wechseln sich die engen Aufnahmen im Führerbunker mit Bildern der letzten Schlachten ab, in denen vor allem Kinder und Jugendliche die Frontlinien verteidigen sollten. Das ist eindringlich, aufwühlend und gehört zum Besten, was der deutsche Film zu bieten hat.

Donnerstag, 28.04.2011:

KABEL 1, 01.05 Uhr*: A.I. - Künstliche Intelligenz (mit Haley Joel Osment und Jude Law)
Wirklich schade, dass es in den letzten Jahren so ruhig um Haley Joel Osment geworden ist. Nach „The Sixth Sense“, „Das Glücksprinzip“, „Löwen aus zweiter Hand“ und eben „A.I.“ war ich von einer erfolgreichen Karriere des Jungschauspielers überzeugt. Doch leider wurde es in den letzten Jahren ruhig um den inzwischen 23-Jährigen. Hier überzeugt er als erster Roboterjunge mit menschlichen Gefühlen. Steven Spielberg übernahm nach Stanley Kubricks Tod dessen Projekt und inszenierte ein visuell wie erzählerisch gelungenes Science-Fiction-Drama, das übrigens auch am Vorabend zur besten Sendezeit zu sehen ist.

Freitag, 29.04.2011:

WDR, 23.15 Uhr: Die Klasse
Wie schafft man es, die Ruhe zu bewahren, wenn der eigene Unterricht ständig boykottiert wird? Ist ein Verweis für Problemschüler wirklich sinnvoll? Wer wissen möchte, wie der Zustand öffentlicher Schulen heutzutage ist und warum ich mein Lehramtsstudium abbrach, findet hier sicherlich einen Teil der Antwort. „Die Klasse“ ist ein unfassbar realistisches Drama über eine französische Schulklasse und ihren engagierten, aber oftmals machtlosen Lehrer.

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Der Untipp der Woche:

Dieter - Der Film (Dienstag, Super RTL, 20.15 Uhr)

Länger als fünf Minuten konnte ich dieses Machwerk aus der Hölle nicht ertragen. Allein schon, dass das Leben des so talentfreien wie erfolgreichen Dieter Bohlen in Comic-Form verfilmt wurde, sollte jedem zu denken geben. Ich weiß nicht, ob er eine Marionette von RTL ist oder ob es umgekehrt ist. Dagegen kann man mit Sicherheit sagen, dass seine Casting-Shows zum Widerlichsten zählen, was das hiesige Fernsehen zu bieten hat. Dass sich dennoch Jahr für Jahr so viele Intelligenzallergiker als Kandidaten zur Verfügung stellen und noch mehr diesen Murks auch noch sehen, bestätigt Albert Einstein einmal mehr, der sagte: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Donnerstag läuft also in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag.

Top-Sender der Woche: KABEL 1 (zwei Empfehlungen)

Eine großartige Fernsehwoche erwartet uns! Was meint ihr?

19. April 2011

Note 1 - Die Besten: Wie im Himmel

Genre: Drama Originaltitel: Så som i himmelen Internationaler Alternativtitel: As it is in Heaven Produktion: Schweden 2004 Regisseur: Kay Pollak Darsteller: Michael Nyqvist, Frida Hallgren, Helen Sjöholm, Lennart Jähkel, Ingela Olsson FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Filmcovers): Paramount

Es gibt diese Filme, die objektiv unglaublich schwer zu bewerten sind. Diese Filme, die einen persönlich so sehr mitreißen, dass der Eindruck nur subjektiver Natur sein kann. „Wie im Himmel“ gehört dazu. Es ist einer dieser polarisierenden Streifen: Die einen finden ihn toll geschrieben, toll gespielt. Andere sind der Meinung, dass er zu manipulativ auf die Tränendrüse drückt. Aber eigentlich ist es doch bei den meisten großartigen Filmen so: Es gibt immer Menschen, die dies ganz und gar nicht nachvollziehen können.

Zur Story: Der berühmte Dirigent Daniel Dareus (Michael Nyqvist) kehrt wegen gesundheitlicher Probleme zurück nach Schweden in sein Heimatdorf. Dort übernimmt er die vakante Stelle des Kantors und damit auch den Kirchenchor. Doch die verschiedenen Ansprüche des Profis und der Mitglieder des Laienchores führen immer wieder zu Problemen, ebenso private Konflikte, eine entstehende Liebe und die vielen Neider, allen voran der Pastor der Gemeinde.
Schon als ich noch ein kleiner Junge war, wollte ich immer nur eine Musik machen, die die Herzen der Menschen öffnet. Das war mein Traum. (Daniel Dareus)
Regisseur Kay Pollak löste die schwere Aufgabe, dem Zuschauer die zahlreichen Figuren nachvollziehbar zu erklären und näher zu bringen, mit Bravour. Zwar kann man bei der schieren Masse nicht jedem Charakter die Tiefe anderer Independent-Produktionen verleihen. Dennoch gelingt es problemlos, sich in die vielen unterschiedlichen Situationen und Gefühlslagen hinein zu versetzen: man freut sich, lacht und vielleicht verdrückt man auch hin und wieder eine Träne. Jedenfalls bleibt man eines nicht: unberührt. Der dramatische Verlauf der Geschichte tut sein übriges dazu, den Zuschauer vollends in den Bann zu ziehen. Dabei wird das Ende sicherlich nicht jeden befriedigen. Nach reiflicher Überlegung, welche Alternativen man hätte implementieren können, halte ich den gewählten Schluss jedoch für absolut passend.


Filmisch ist also alles einwandfrei. Und auch die Darsteller überzeugen durch die Bank. Michael Nyqvist, der auch in der Verfilmung von Stieg Larssons Millenium-Trilogie die Hauptrolle übernahm, spielt dabei gewohnt gut, lässt aber auch den teilweise weniger bekannten Gesichtern den nötigen Spielraum. Die Kamera fängt Handlung und Landschaften hervorragend ein und betont dadurch auch den eigentlichen Protagonisten des Films: Die Musik. Das Repertoire reicht von klassischen Orchesterstücken über Kirchenlieder und spaßiger Folklore bis hin zu gefühlvollen Solo-Stücken.

Wer selbst noch nie in einem Chor war, könnte dabei die ungeheure Faszination, die von diesem Drama ausgeht, unter Umständen nur bedingt verstehen. Eine Chance hat dieses Meisterwerk des europäischen Kinos aber auf jeden Fall verdient. Doch Vorsicht: „Wie im Himmel“ lädt jeden, der sich der Wirkung nicht verschließt, auf einen emotionalen Parkours ein, an dessen Ende man noch einige Minuten benötigt, um das Gesehene zu verarbeiten. Und dann am liebsten noch mal von vorn beginnen möchte. All das macht einen herausragenden Film aus. Daher verleihe ich heute erstmals die Bestnote. Und das - zumindest aus meiner subjektiven Sicht - völlig zurecht!

Filmwertung: SEHR GUT – Note 1,0



Anmerkung: So man weder Schwedisch versteht noch Untertitel lesen möchte, kann man auch getrost auf die deutsche Synchronfassung setzen, die durchaus zu überzeugen weiß. Aufgrund der interessanten Extras empfehle ich übrigens die Anschaffung der Doppel-DVD-Fassung, welche allerdings nur noch selten zu haben ist. Wer kostenlos weitere Informationen wünscht, kann sich hier das Presseheft ansehen, in dem unter anderem ein Interview mit dem Regisseur Kay Pollak, Hauptdarsteller Michael Nyqvist sowie Frida Hallgren zu lesen ist.