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24. Januar 2013

Kurz kritisiert: Django Unchained


Remakes des legendären Spagetti -Westerns „Django“ gibt es wie Sand am Meer, doch wenn sich Quentin Tarantino aufmacht, einen weiteren Film unter diesem Namen beizusteuern, lässt das alle Filmfans aufhorchen. Dafür zeichnet sich natürlich auch die Riege der Schauspieler um Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson verantwortlich. In der Geschichte begleiten wir den Sklaven Django (Jamie Foxx), der von dem deutschen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) angeheuert wird, um mit ihm die Bande der Brittle-Brothers aufzuspüren. Neben dem Tagesgeschäft geht es Django aber auch um die Rückgewinnung seiner Frau, der deutsch sprechenden Sklavin Broomhilda von Shaft (Kerry Washington). Schultz erinnert der Name an die Brunhilde aus der Nibelungensage und er entschließt sich, die holde Maid gemeinsam mit Django aus den Fängen des gerissenen Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) zu befreien …


Irrwitzige Dialoge, übertriebene Brutalität, großartige Schauspieler, Filme in Überlänge – all das sind typische Markenzeichen des Ausnahmeregisseurs Quentin Tarantino. Kaum ein Filmschaffender teilt die Geschmäcker so extrem: Entweder man fiebert jedem neuen Streifen ungeduldig entgegen oder aber man findet kaum Zugang oder verschließt sich schlicht vor der derben Gewalt. Auch „Django Unchained“ wird Fans nicht verstimmen und Kritiker nicht besänftigen. Der Blaxploitation-Southern (die Handlung spielt in den Südstaaten, nicht im wilden Westen) ist wahrlich Tarantino in Reinkultur! Dabei ist es auch zu verschmerzen, dass Jamie Foxx – nach langer B-Movie-Abwesenheit mal wieder in einer großen Produktion zu sehen – im Vergleich zum restlichen Cast ein wenig abfällt. Denn die Leistungen von Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson sind spitze, die des Österreichers Christoph Waltz sogar so herausragend, dass es schwer fällt, dagegen anzukommen. Und wo ich gerade beim Schwärmen bin: Christoph Waltz zeigt erneut, dass er ein idealer Darsteller für die Filme Tarantinos ist, verbindet doch kaum ein Zweiter die Genialität und den Wahnsinns der Dialoge so gekonnt wie jener zurecht mit dem Golden Globe ausgezeichnete Mime, der nach seiner Rolle als Judenjäger Hans Landa in „Inglourious Basterds“ nun zum zweiten Mal als wichtigster Nebendarsteller auftritt und die wichtige Rolle des Sympathieträgers inne hat.


Die Musik zeigt sich ungewöhnlich und abwechslungsreich wie immer, doch rissen mich Oldies und Hip-Hop-Stücke teils aus der sonst so dichten Atmosphäre. Dafür war unter anderem der Auftritt rassistischer, berittener Kapuzenträger zu den Klängen des Dies Irae aus Verdis Requiem besonders intensiv. Ein weiterer Punkt, der die Vergabe der Höchstwertung untersagt, ist die bereits angesprochene Brutalität, werden doch gerade gegen Ende viele qualvolle Tode gestorben. Etwas weniger Schmerzensschreie hätten sicherlich nicht geschadet. Dennoch überzeugte mich dieser wilde Genre-Mix nach den angeblichen 165 Minuten, die kurzweiliger sind als die meisten Neunzigminüter, vollkommen. Interessierte sollten unbedingt nach einem Lichtspielhaus Ausschau halten, das den neuen „Django“ in der Originalfassung zeigt, da Quentin Tarantino auch wegen seines Hauptdarstellers immer wieder die deutsche Sprache einbindet, unter anderen in einem ganzen Dialog. Das muss man einfach gesehen und gehört haben – und zwar nicht gestreamt, sondern mit der vollen Wucht des Kinos!

9/10



Bildrechte: Sony Pictures

23. Dezember 2012

Film-Quickie: Das Ende der gehenden Kuckucksnester

Über ein halbes Jahr ist es nun her, als das Filmzeugnis zuletzt Film- und Serienrezensionen anbot. Knapp sieben Monate später finde ich nun endlich Zeit und Muße, drei weitere Kritiken einzustellen. Darunter ein Klassiker mit Jack Nicholson, eine TV-Serie und ein Film mit Bruno Ganz, was ja als Information genügt, um dem Film eine gewisse Qualität zu unterstellen. Doch nun viel Spaß!   

Einer flog über das Kuckucksnest
Jack Nicholson kann alles spielen, keine Frage. Auch die Rolle eines psychisch Kranken liegt ihm. Seine Mimik ist so detailliert, seine Impulsivität so glaubwürdig, sein Auftreten so pointiert. Er sticht aus der Riege der „Verrückten“ heraus, obwohl jeder Patient wahrlich sein Päckchen zu tragen hat. Teilweise erinnert es an „Shining“, wie selbstsicher und bestimmend Nicholson seinen Part interpretiert. Und dennoch entwickelt sich im Film eine andere Figur entscheidend weiter, so dass sie am Ende zum eigentlichen Star wird: Chief Bromden, ein vermeintlich taubstummer „Häuptling“, groß, mächtig, dennoch unscheinbar.
Geniale Schauspieler, spannende Momente und viel Kurzweil führen trotz weniger, locker verschmerzbarer Logiklöcher dazu, dass gut zwei Stunden für dieses Meisterwerk viel zu wenig sind. Das Ende fällt keineswegs ab, doch hätte ich es liebend gerne weiter hinausgezögert. Welches größere Kompliment könnte man einem verdienten Klassiker der Filmgeschichte geben?
10/10

The Walking Dead – Staffel 1 & 2
Holla die Waldfee, das hätte ich nicht erwartet! Bisher konnte ich keinen einzigen Zombiefilm ganz ansehen, zu plump waren die Geschichte, zu wenig fesselte die Action, zu unglaubwürdig waren die Charaktere und vor allem – zu sehr wurde auf musikalische Jump Scares gesetzt, anstatt etwas Substanz beizufügen. Doch die ersten beiden Staffeln der hierzulande auf RTL II ausgestrahlten Fernsehserie ist ganz anders als die filmischen Ausfälle à la „28 Days later“. Kurz zur Geschichte der ersten Staffel: Ein Polizist erwacht im Krankenhaus aus dem Koma und stellt fest, dass er einer von wenigen Menschen ist, die nicht bereits zu Zombies mutiert sind. Neben dem größten Ziel, die ständigen Attacken zu überleben, möchte er vor allem Frau und Sohn finden, von deren Überleben er überzeugt ist. Doch zunächst gilt es, nach Atlanta zu gelangen – der vermeintlich sicheren Großstadt…
„The Walking Dead“ basiert auf einer Comicreihe und schafft es dank glaubwürdiger Charaktere, gelungener Dialoge und nicht übermäßig eingesetzter Action, die Konkurrenz in Sachen Untoten-Produktionen locker hinter sich zu lassen. Hier sind keine großen Schreckmomente nötig, vielmehr sind es Drehbuch, Kamera und Regie, die die beklemmende Stimmung gelungen transportieren. Zwar wirkt nicht jede Szene logisch und stringent, doch verzeiht man dies angesichts der gelungenen Mischung aus Spannung und Ruhepausen. Eine wirklich gelungene Serie, die ich (aufgrund der stellenweise recht derben Brutalität) volljährigen Serienfans wärmstens ans hoffentlich noch menschliche Herz legen möchte.
8/10

Das Ende ist mein Anfang
Die deutsch-italienische Koproduktion zeigt die letzten Tage im Leben des ehemaligen Spiegel-Auslandskorrespondenten Tiziano Terzani (Bruno Ganz). Dieser ruft den in New York weilenden Sohn Folco zu sich in die Abgeschiedenheit der toskanischen Berge, da er sein baldiges Ende heraneilen spürt. In den folgenden Tagen berichtet er dem Zögling von seinem bewegten Leben und Schaffen in Asien, hält durchdachte Monologe über die Menschheit und den Sinn des Lebens. Dabei wirkt der vollbärtige Erzähler aber alles andere als altklug, sondern voller Demut und Weitsicht.
„Das Ende ist mein Anfang“ ist ein vielschichtiges philosophisches Drama, das durch die ruhige Erzählweise und den Verzicht auf Rückblenden allerdings auch mitunter ein klein wenig einschläfernd wirkt. Geradezu überragend ist hingegen Bruno Ganz, der eine der besten Leistungen seiner beeindruckenden Karriere zeigt. Der Darsteller seines Filmsohnes, Elio Germano, hat hingegen mit gleich zwei Dingen zu kämpfen: seinem überschaubaren Talent und seiner italienischen Muttersprache. Denn Folco wird im Gegensatz zum Protagonisten synchronisiert, was leider erheblich an der ansonsten tollen Atmosphäre kratzt. Somit bleibt ein in manchen Bereichen hervorragender Streifen, der sich durch unnötigerweise verschenktes Potenzial selbst um den verdienten Lohn einer höheren Wertung bringt.
7/10

Bildrechte: Warner, Entertainment One / WVG, Universum Film

28. Mai 2012

Film-Quickie: Wer steht schon auf Mononationalismus?

"Wie bitte was?“ fragt sich vielleicht mancher Besucher beim Lesen der Überschrift. Nun, die meisten Filme spielen in dem Land, in dem sie produziert wurden, mit einheimischen Protagonisten und so weiter. Daher stehen heute mal  interkulturelle Filme auf der Speisekarte: Es geht um Amerikaner im Irak, Touristen aus aller Herren Länder in Griechenland und britische Geheimdienstler in Irland. Zugegeben, richtig außergewöhnlich mögen diese Beispiele nicht sein, doch fiel mir auf die Schnelle kein besserer Aufhänger ein. Also angeschnallt und losgelesen!

Buried – Lebendig begraben
„Buried“ zeigt den verzweifelten Überlebenskampf eines Mannes (überraschend glaubwürdig: Ryan Reynolds), der in einem Sarg vergraben wurde. Nur mit Handy, Feuerzeug und Taschenlampe versucht er alles, um wieder Tagesluft atmen zu dürfen…
Respekt, es gibt also aller Unkenrufe zum Trotz noch hier und da Hollywood-Produktionen, die altbekannte Sehgewohnheiten über Bord werfen und Neues  wagen. Zwar wurde nicht auf jedes Klischee rund um das kriegstreibende Völklein westlich des Atlantischen Ozeans verzichtet, doch der Mut, hier und da anders zu sein als aus der Traumfabrik gewohnt, erfreut das Auge und trägt zur Stimmung bei. Schade: Obwohl man in den eineinhalb Stunden nur Ryan Reynolds zu Gesicht bekommt, fiel mir eine Identifikation mit seinem Charakter schwer, weshalb der klaustrophobische Streifen leider nicht eine derart große Spannung aufbaut wie intendiert. Dennoch ist diese gelungene Mischung aus Thriller und Drama absolut sehens- und empfehlenswert.
8/10

My Big Fat Greek Summer
Eine studierte Historikerin versucht sich in Griechenland als Reisebegleiterin über Wasser zu halten. Da sich aber die Klischee-Touristen grundsätzlich nur für Shopping und Strand, nicht aber für Kulturgeschichte interessieren, steht die Protagonistin kurz vor dem Rauswurf. Auch ihre neueste Wochen-(Tor)Tour beginnt alles andere als glücklich, bekommt sie doch eine vermeintlich unangenehme Gruppe, einen auf den ersten Blick unheimlichen Busfahrer und noch dazu ein Reisemobil, das vielleicht im letzten Jahrtausend mal ganz brauchbar war...
Der größte Witz an dieser romantischen Komödie lässt sich nicht lange Zeit, versteckt er sich doch ganz subtil im Namen des vollbärtigen, schweigsamen Busfahrers: Pupsi Kakas. Witz lass nach, welch Einfallsreichtum! Über weite Strecken bleibt das Drehbuch sogar unter diesem Niveau und leistet sich zudem einige Aussetzer in der Charakterisierung und den Dialogen. Dennoch gibt es auch einige positive Aspekte, etwa die wunderschön eingefangenen Sehenswürdigkeiten der alten Griechen, Richard Dreyfuss als weiser, aber zu Beginn doch sehr nerviger Spaßvogel, und einige gelungene Mundwinkelerhöher. Das ist immerhin deutlich mehr, als ich zu hoffen wagte und dürfte bei anspruchslosen Naturen für einen netten Sonntagnachmittag taugen.
4/10

50 Dead Men Walking – Der Spitzel
Ein Kleinkrimineller landet in den Fängen der IRA. Er erkennt zwar den Charme der Vereinigung, weiß aber dennoch ihre Machenschaften richtig einzuordnen. Daher wird er zum Spitzel der Briten, verrät fortan Namen und Pläne. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auffliegt…
Die um einige fiktionale Details angereicherte wahre Geschichte des britischen Spitzels Martin (glaubwürdig: Jim Sturgess) kommt recht langsam in Fahrt, weiß aber gerade gegen Ende zu fesseln und erzählt eine beklemmende europäische Kriegsgeschichte. Besonders beeindruckend ist dabei das Spiel Ben Kingsleys, der als britischer Sicherheitsoffizier gelungen den Spagat zwischen Vaterfigur und Mentor verkörpert und so dazu beiträgt, dass der Zuschauer auch über den recht ermüdenden Mittelteil hinaus am Ball bleiben möchte. Regisseurin Kari Skogland liefert mit dem Thriller-Drama ihren wohl besten Film ab, verdient sich die gute Wertung aber nur dank des Schlusses und Ben Kingsley gerade so.
7/10

Bildrechte: Ascot Elite (2x), Splendid

21. April 2012

Film-Quickie: Der Woodsman gegen die Mächte des Durchschnitts

Wer die bisherigen Film-Quickies verfolgt hat, wird bemerkt haben, dass Abwechslung stets groß geschrieben wurde. Auch diesmal trafen sich Martial-Arts-Film, Psycho-Drama und Gauner-Komödie zur besinnlichen Wertungskonferenz:  


Ong Bak 2
Um die Entstehung des Films ranken sich zahlreiche Gerüchte: Regisseur und Hauptdarsteller Tony Jaa soll das Set für zwei Monate verlassen haben, um in einem Kloster Ruhe zu finden. Dies bestritt der Muay-Thai-Experte allerdings umgehend, sodass man als Unbeteiligter letztlich nicht sicher weiß, warum sich die Produktion verzögert hat. Im Endeffekt bietet aber der zweite Teil ähnliche Kost wie der erste: Rasante, toll inszenierte und fabelhaft gefilmte Kämpfe, eine miserable, weil kaum vorhandene und dazu noch unlogische Story und ansonsten auch nicht viel mehr: Die Musik ist ordentlich, die Kamera weiß auch außerhalb der Fights zu gefallen, aber als Film taugt das ständige Gekloppe kaum. Wer auf die Kampfrichtung steht, macht nichts falsch, sollte sich aber fragen, ob er nicht gleich die Fight Night bei EuroSport sehen möchte…
5/10

The Woodsman
Der pädophile Walter saß zwölf Jahre wegen sexueller Belästigung Minderjähriger im Gefängnis. Als er freikommt, schlägt ihm von allen Seiten Hass und Missgunst entgegen. Lediglich sein Schwager und eine Arbeitskollegin sehen den Menschen hinter dem vermeintlichen Monster.
Kevin Bacon spielt die äußerst schwierige und riskante Rolle herausragend. Er stellt die Leiden und Zwänge des aus der Gesellschaft Ausgestoßenen äußerst glaubhaft dar und vermittelt dem Zuschauer sogar Gefühle des Mitleids und der Anteilnahme. Bei diesem heiklen Thema ist das wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Regisseurin Nicole Kassell beweist in ihrem intensiven Spielfilmdebüt viel Gespür für das Spiel mit Kameraeinstellungen und Schnitten, setzt die Dialoge gekonnt in Szene und zeigt, dass man in nur 84 Minuten mehr Film packen kann als manch anderes Drama in der doppelten Zeit. Großartig!
9/10

Bruchreif
Morgan Freeman, Christopher Walken und William H. Macy spielen drei alternde Museumswächter, die nicht mit ansehen wollen, wie ihre liebsten Ausstellungsstücke nach Dänemark verliehen werden. Also entschließen sie sich, auf ihre alten Tagen zum Gauner-Trio zu werden und die Exponate kurzerhand zu stehlen. Doof nur, dass sie in solchen Dingen wenig Erfahrung haben und natürlich einiges schief geht…
So seicht wie die Geschichte ist auch der Rest dieser Hollywood-Komödie. Für einen entspannten Sonntagnachmittag ist das genau richtig: Die drei Diebesrentner geben sich alle Mühe, durch ihre bloße Präsenz und stimmige Mimik das schwache Drehbuch wett zu machen. Doch dies gelingt schlicht zu selten, weshalb einem der Eineinhalbstünder eher wie ein Überlängenfilm vorkommt. Wer aber einfach nur entspannen und hin und wieder schmunzeln möchte, kann zur Wertung gerne noch ein bis zwei Pünktchen addieren.
5/10
Kommentare braucht das Land – und dieser Artikel. Also ran an die Tastatur und raus mit der Meinung!
Bildrechte: Splendid, Universum Film / Tobis, Ascot Elite

15. April 2012

Film-Quickie: Gute Unterhaltung kennt keine Nationalität

England, Hongkong, Österreich, Ukraine, Thailand, USA – wenn das mal keine internationale Auswahl ist! Doch auch die Genres sind abwechslungsreich und bedienen Fans von Action-Filmen, Thrillern,  Komödien, Doku-Dramen und TV-Krimis. Doch lest selbst:  

Import Export
Die Ukrainerin Olga reist nach Wien, um dort als Putzhilfe Geld für sich und ihre Familie zu erarbeiten. Sie stößt dabei auf viele Hürden, Vorurteile und Anfeindungen. Ähnlich geht es dem österreichischen Tagelöhner Paulie, den es für einen Auftrag nach Osteuropa zieht, wo er zwar dem Stress in seiner Heimat entkommt, sich aber mit seinem Kollegen und Stiefvater herumschlagen muss.
Ulrich Seidls Drama mutet so dokumentarisch an, dass man sich erst während der aufgelisteten Darstellernamen im Abspann sicher ist, einen Spielfilm gesehen zu haben. Die ungeschönte, äußerst raue Darstellung des Herrentums gegenüber Menschen aus ärmeren Regionen der Welt ist so hässlich wie die Realität, die Leiden der Protagonisten lasten ebenfalls schwer auf dem Gemüt. Außerdem fällt es ohne Untertitel mitunter sehr schwer, dem wienerischen Gebrabbel zu folgen. Dennoch: „Import Export“ ist ein herausragender und absolut empfehlenswerter Film, der den Zuschauer auf mannigfaltige Art und Weise für sein Durchhaltevermögen belohnt. Wer tiefe Blicke in die Psyche vermeintlich gescheiteter Existenzen auf dem Scheideweg werfen will, liegt hier jedenfalls vollkommen richtig.
8/10

Ong Bak
Kampfkunstfilme aus Asien haben in der Regel folgende Dinge gemeinsam: Sie sehen spektakulär aus, bieten viel Stil, einige gute und natürlich auch schöne Menschen, noch mehr ganz arg böse und auf so etwas wie eine Geschichte wird von vornherein verzichtet. Doch bei den meisten Vertretern wird der Spaß an den sorgfältig choreographierten  Kloppereien durch die verwendeten Haltekabel und sonstigen unrealistischen Hilfsmittel getrübt. Ganz anders bei Ong Bak: Hier wird auf Hilfen verzichtet, Tony Jaa zeigt viele Stunts ohne Seile, Netz und doppelten Boden. Und das beeindruckt vor allem in der ersten Hälfte des Filmes. Die Story passt zwar auch hier auf einen Bierdeckel, aber anfangs wirkt alles stimmig: Charaktere, Tempo, Kämpfe. Nach und nach nutzt sich das aber ab, die Geschichte fällt in ein Loch, das nur notdürftig mit immer langweiligeren Kämpfen gefüllt wird. Was zu Beginn großartig ist, regt gegen Ende zum Gähnen an. Wirklich schade also, dass „Ong Bak“ kein zwanzigminütiger Kurzfilm wurde.
6/10

Luther – Staffeln 1 und 2
Wer meinem letzten Serien-Tipp gefolgt ist und „The Wire“ gesehen hat, der kennt auch Idris Elba. Dieser speilt auf der anderen Seite des Atlantiks, genauer gesagt in London, den Polizisten John Luther. Dessen Methoden entsprechen nicht unbedingt dem Codex sauberer Polizeiarbeit, bringen aber Erfolg. Doch muss er stets aufpassen, nicht einen Schritt zu weit zu gehen…
„Luther“ ist ein äußerst gelungenes BBC-Projekt. Die insgesamt zehn Folgen der ersten beiden Staffeln (eine dritte wurde bereits in Auftrag gegeben) zeigen stets zwei erzählerische Ebenen: Wie in deutschen 08/15-Krimis wird pro Folge ein Fall behandelt, meist mit psychologischem Hintergrund und Lösungsansatz. Außerdem gibt es aber auch eine mehrere Episoden umspannende Rahmenhandlung, die den Zuschauer an die Mattscheibe fesseln soll. Und das gelingt durchaus, auch wenn hin und wieder der Realismus zu wünschen übrig lässt, die meisten Nebendarsteller blass bleiben und die zweite Staffel weniger überzeugt als die erste. Dennoch ist die One-Man-Show des überaus talentierten und wandlungsreichen Idris Elba aus meiner Sicht die beste europäische Serie der letzten Jahre, bietet sie doch Spannung abseits ausgetretener Genre-Pfade.
8/10

Infernal Affairs 2
Der Nachfolger des gefeierten Hongkong-Thrillers spinnt nicht etwa die Geschichte um die beiden Maulwürfe, die sich bei der Mafia bzw. Polizei eingeschlichen haben, sondern erklärt jene Vorgeschichte, welche im ersten Teil nur angerissen wurde. Es geht also darum, wie die beiden Protagonisten von ihren jeweiligen Auftraggebern beim Feind eingeschleust wurden. Klingt nicht gerade innovativ, ist jedoch aufgrund der recht hohen Sterberate der Charaktere des Vorgängers durchaus nachvollziehbar.
Und auch „Infernal Affairs 2“ bietet viele spannende Momente, eine dichte Atmosphäre und ein Problem, das der werte Herr Zeis in seinem Kommentar zum ersten Teil aufgriff: Wer (wie ich) mit den Schauspielern und dem asiatischen Kino im Allgemeinen nicht vertraut ist, kann vor allem die beiden Undercover-Spione leicht verwechseln – vor allem, weil diese auch hin und wieder mal die Frisur ändern. Diese erschwerte Zuordnung kann man dem Film natürlich nur schwerlich vorwerfen, weshalb ich Thriller-Fans die Sichtung empfehlen kann, besonders Anhänger des Prequels oder aber des US-Remakes „Departed“ können bedenkenlos zugreifen.
7/10  

Swing Vote
Kevin Costner spielt einen versoffenen Chaoten, der von seiner Tochter in eine missliche Lage gebracht wird: Bei der Präsidentschaftswahl steht es exakt unentschieden und seine Stimme wird entscheiden. Für den völlig Politikuninteressierten ein Wendepunkt im Leben.
Trotz der äußerst hanebüchenen Story weiß die Komödie in vielen Punkten zu überzeugen. So driftet sie nie ins Lächerliche ab und streut geschickt Kritik an Politik- und Medienschaffenden ein. An manchen Stellen wäre mehr Mut zwar wünschenswert gewesen, doch ist die gut integrierte Aussage dennoch im positiven Sinne überraschend für eine solche Hollywood-Produktion. Meine Freundin sprach hinterher von einem „netten Film“ - und brachte es damit wertungstechnisch auf den Punkt.
6/10

Nachdem nun knapp drei Monate ohne Kritiken ins Land gezogen sind, wurden auch die Kommentare weniger und weniger. Das könnt ihr nicht so stehen lassen, oder!?
 
Bildrechte: AL!VE/Alamode Film, MC One, Polyband/WVG/BBC, Splendid

20. Januar 2012

Film-Quickie: Überraschendes aus Deutschland

Fünf Filme aus vier Genres laden herzlich dazu ein, von euch gesehen zu werden. Zuvor lohnt aber vielleicht ein Blick auf die Rezensionen. Mich überraschten die Filme zwei bis fünf allesamt positiv, erwartete ich doch jeweils nicht allzu viel. Bei „Stone“ hingegen stimme ich den meisten Kollegen zu: Hier wurde viel Potenzial verschenkt.

Stone
Stell‘ dir vor, Robert De Niro, Edward Norton und Milla Jovovich stehen gemeinsam vor der Kamera – und keiner ist begeistert. So geschehen bei „Stone“ – trotz der beiden besten Charakterdarsteller ihrer jeweiligen Generation und der beliebten „Resident Evil“-Amazone will der Funke bei diesem Drama nicht so recht überspringen. 
An der Geschichte liegt es eher nicht. Diese erzählt von dem Sträfling Stone (Edward Norton), welcher mit allen Mitteln versucht, seinen Bewährungshelfer (Robert De Niro) davon zu überzeugen, ihn wieder auf freien Fuß zu setzen. Dabei sollen nicht zuletzt die Verführungskünste seiner Frau (für Fans des kleinen Busens auch „oben ohne“ zu sehen: Milla Jovovich) zum Ziel führen.
Der Film lebt fast ausschließlich von der Leistung seiner Darsteller und der Chemie, die vor allem zwischen De Niro und Jovovich zu spüren ist. Viele Vorgaben im Drehbuch sind hingegen zutiefst fragwürdig - etwa die Tatsache, dass Stones Frau sieben Jahre auf ihren Mann wartet, obwohl die beiden nur wenig gemein haben. Am Ende bleibt ein ruhiger, teilwiese intensiver, manchmal aber auch langatmiger und unentschlossener Streifen über mögliche Arten der Manipulation, den Fans der Schauspieler zwar getrost sehen können, der für die breite Masse aber zu wenig bietet, um ihn ernsthaft zu empfehlen.
6/10

Brüno
Der homosexuelle, österreichische Modereporter Brüno (Sascha Baron Cohen ) tritt in die Fußstapfen seiner geistigen Vorfahren Ali G und Borat. Kurzum: Er sucht sich die Fettnäpfchen aus, springt mit Genuss hinein und tollt so lange darin herum, bis der letzte Zuschauer vor Fremdscham die Hände vor dem Gesicht zusammen schlägt.
Brünos Talkshow-Auftritt mit angeblich in Afrika gegen einen iPod getauschtem Baby ist da nur ein Tabubruch von vielen. Alles in Cohens drittem Spielfilm ist hier sogar noch übertriebener als in den Vorgängern und wirft daher umso mehr die Frage auf, wie viele der real wirkenden Szenen gestellt sind. Doch wenn auch nur ein Fünkchen Wahrheit enthalten ist, so dient dies als ein weiterer Beweis für die Dummheit des gemeinen US-Amerikaners. Nicht, dass wir Deutschen da schlauer wären, aber uns hält einfach niemand so gekonnt den Spiegel vor wie Sascha Baron Cohen in einer seiner zahlreichen Rollen. Wie in allen Filmen des Entertainers gilt auch hier: Bitte keinesfalls in der deutschen Fassung sehen, wenn nicht die Hälfte des Spaßes flöten gehen soll.
7/10

Der letzte schöne Tag
Eine Frau verliert den Kampf gegen die Depression und nimmt sich das Leben. Es beginnt eine schwere Zeit für ihren Mann (klasse: Wotan Wilke Möhring) und die beiden Kinder.
Unglaublich, aber wahr: Von Anfang an nahm mich dieser Fernsehfilm der ARD sofort gefangen und hielt das hohe Niveau bis zum Schluss. Was die Darsteller zeigen, ist so glaubwürdig, völlig frei von Klischees und übertriebenem Druck auf die Tränendrüse. „Der letzte schöne Tag“ ist ein tieftrauriges Drama, das das Leiden einer entzwei gerissenen Familie auf realistische Art und Weise aufzeigt und außerdem durch ein Gedicht von Mascha Kaléko den intensivsten Momenten zusätzliche Tiefe verleiht. Respekt an die Produzenten´, derart ehrliche und mutige deutsche Filme gibt es viel zu selten!
9/10

Infernal Affairs
Wie du mir, so ich dir: Frei nach diesem alttestamentarischen Motto schleust ein Drogenbaron einen seiner Leute undercover bei der Polizei ein – und hat doch selbst einen Cop in seinen Reihen. Beide Spitzel wissen von der Existenz des anderen – die Frage ist nur, wer wen zuerst enttarnt…
Die in Hongkong produzierte Vorlage des Hollywood-Thrillers „Departed – Unter Feinden“ ist zwar eine Stunde kürzer als ihre Kopie, kann aber dennoch überzeugen: Die Charaktere werden ausreichend eingeführt, nach dem verwirrenden Anfang kann man auch die einander optisch ähnelnden Maulwürfe auseinander halten – das gelang mir bei „Departed“ nur mit Mühe. Die Schauspieler machen einen guten Eindruck, ebenso Kulisse, Regie und Drehbuch. Ein wirklich gelungener  Auftakt der „Infernal Affairs“-Trilogie.
8/10

Black Box
Ein Mann liegt nach einem schweren Autounfall tagelang im Koma. In der Aufwachphase murmelt er scheinbar sinnbefreite Wörter und Satzfetzen vor sich hin, die eine Krankenschwester notiert.  Nun gilt es, mit diesen Brocken das eigene Gedächtnis aufzufrischen, doch ist er dazu auch von der Hilfe seiner Vertrauten und Ärzte abhängig…
Was klingt wie ein typischer Amnesie-Thriller, ist ein optisch wie erzählerisch interessanter Streifen, der dank des guten Casts und gelungener Story-Wendungen einiges an Spannung aufbaut. Erfreulicherweise halten sich bei der französischen Produktion auch die genretypischen Logiklöcher in Grenzen, lediglich der finale Twist wirkt konstruiert und ist ein wenig enttäuschend. Nichtsdestotrotz ist „Black Box“ ein sehr sehenswerter Film geworden, der durch seinen visuellen Stil genauso überzeugt wie mit der vorhandenen Substanz – eine Seltenheit im Bereich der Psychothriller.
7/10

Euch juckt es in den Fingern? Dann immer raus damit, ich freue mich über jeden Kommentar!
Bildrechte: Ascot Elite, Universal, WDR/Willi Weber, MC One, Splendid

4. Januar 2012

Film-Quickie: Von Göttern, Drähten und Hundezähnen

Besten Dank an meat und DerFrank für die Kommentare zum ersten Film-Quickie! Tatsächlich bestätigte mich eine dort aufgeworfenen Frage im Plan, das Bewertungssystem umzustellen: Zumindest bei den Kurzkritiken werde ich von Zehntel-Schulnoten auf ein einfaches Zehnersystem ohne Kommazahlen umstellen. Zehn Punkte gibt es nur für sensationell gute Produktionen, zwischen null und vier Punkten sollte man dagegen besser gebührenden Abstand wahren. Auch im heutigen Fünferpack sorge ich für ausreichend Abwechslung, indem ich einer Serienstaffel ein Kino-Drama, einen Western-Abgesang, einen Thriller und einen mehr als außergewöhnlichen Independent-Streifen zur Seite stelle. Nach der Lektüre freue ich mich über eure Meinung zu den Filmen und dem neuen Wertungssystem.

Der Gott des Gemetzels 
Zwei Ehepaare treffen sich, um ganz gesittet die Streitigkeit ihrer jeweiligen Söhne zu klären, die zu einer dicken Lippe und zwei abgebrochenen Schneidezähnen führte.
Dabei spielt sich alles wie in Yasmina Rezas Drama „Le Dieu du Carnage“, das zuvor nur im Theater zu sehen war, in einer Wohnung ab. Christoph Waltz und Kate Winslet treffen dabei auf John C. Reilly und Jodie Foster, die alle auf ihre Weise dazu beitragen, das einstmals kultivierte Schlichtungsgespräch im Fiasko enden zu lassen. Dabei überzeugen Dialoge sowie Gestik und Mimik des Mimen-Quartetts derart, dass der Zuschauer ein ums andere Mal herzhaft lachen muss und zu keiner Zeit einen Szenenwechsel wünscht – höchstens, um sich und den Charakteren eine Pause zu gönnen. Doch die gibt es nicht, und so darf Roman Polanski nach Herzenslust streiten, schlichten, beleidigen und sogar reihern lassen. Ein großer Spaß – nicht nur für Anhänger des Programmkinos.
8/10

Erbarmungslos
Einem Schweinebauer geht das Geld aus – also besinnt er sich auf seine wenig ruhmreiche Vergangenheit, greift zur Flinte und begibt sich auf Kopfgeldjagd.
Clint Eastwood stimmt einen klasse inszenierten Abgesang auf das Western-Genre an: Es sind die alten Haudegen, die den Ton angeben, nicht die schießwütigen Jungspunde. Eastwood, Freeman und Hackman spielen so souverän wie gewohnt, man nimmt ihnen ihre Sorgen und Ängste ab. Es ist schön, einen Genrevertreter zu sehen, der nicht nur von Revolverhelden und Feiglingen erzählt, sondern dieses gewohnte Schema aufbricht. Wie fast immer gilt also auch hier: Was Clint Eastwood anpackt, das ist großes Kino! Im Vergleich zu seinen neueren Werken (etwa „Million Dollar Baby“ und „Gran Torino“) fehlt in „Erbarmungslos“ dennoch der letzte Feinschliff, die tiefe Dramatik, das gewissen Etwas. Zu oft denkt man, dass einfach mehr möglich gewesen wäre…
7/10

The Wire – Staffel 1
Realistisch, komplex, packend, dramatisch, vielschichtig, kompromisslos, humorvoll, genial: Viele Attribute ließen sich für die erste Staffel der „besten Serie der Fernsehgeschichte“ (nach Meinung u.a. von FAZ, TIME Magazine und The Guardian) finden. Wichtig ist aber vor allem, dass alle tatsächlich zutreffen! Und auch ich wurde überzeugt: „The Wire“ ist tatsächlich die beste TV-Serie aller Zeiten, trotz „Twin Peaks“, „The Sopranos“ und vieler weiterer richtig guter Konkurrenten. Denn so nah an die Wirklichkeit der Polizeiarbeit in einem vom Drogenhandel bestimmten Stadtteil Baltimores kommen selbst die aufwändigsten Dokumentationen noch nicht mal im Ansatz.
Besonders an der der Serie ist, dass beide Seiten intensiv beleuchtet werden: Die korrupten Mühlen der „ach so guten“ Polizei und die vermeintlich bösen Drogendealer. Dabei verschwimmen Schwarz und Weiß, Gut und Böse auf so perfekte Art und Weise, dass man als Zuschauer manchmal nicht weiß, zu wem man mehr hält. Die Schauspielersind bis auf ganz wenige Nebendarsteller äußerst glaubwürdig, weil ihnen eine unglaubliche Tiefe verliehen wird. Diese wird aber erst nach und nach aufgebaut und ist anfangs höchstens zu erahnen. Dazu kommt seltener, aber sehr passender Humor, das Gefühl für den perfekten Moment, bahnbrechende Dialoge, später sogar richtig beklemmende und intensive Spannung. Das alles ist ganz weit weg vom Hochglanz-Profiling à la CSI – und damit um Welten besser. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann die Tatsache, dass die Serie trotz aller Bemühungen bei der Erstellung der deutschen Synchronfassung nur im englischen Originalton zu empfehlen ist. Dennoch: Jeder, der sich gerne auf intelligente Weise in seinen Bann ziehen lassen möchte, muss den dreizehn etwa einstündigen Episoden der ersten Staffel von David Simons Meisterwerk "The Wire" eine Chance geben.
10/10

Dogtooth
Drei inzwischen erwachsene Kinder werden von ihren Eltern auf eine absolut abartige Art und Weise erzogen: Sie haben nie das elterliche Anwesen verlassen, ihnen wurde gar beigebracht, dass dies auch nur mit dem Auto möglich sei. Katzen seien bestialische Raubtiere, die liebend gerne Menschen zerfleischen und der Sinn des Lebens besteht im Sammeln von Stickern, die man für Erfolge in spaßigen Spielen wie „Wer hält im Pool länger die Luft an“ erhält…
Der griechische Film schert sich nicht um Sehgewohnheiten und ethische Grundsätze bezüglich der Themen Erziehung, Inzest und Menschenwürde. Das verlangt dem Zuschauer einiges ab, ist aber auch hochinteressant. Würde der Film nicht so unvermittelt enden, wäre hier sogar mehr drin gewesen. Aber auch so gibt es für den Mut und das völlig andere Seherlebnis eine verdientermaßen hohe Wertung.
8/10

La Linea – The Line
Ein Auftragsmörder (Ray Liotta) reist mit dem Ziel nach Tijuana (Mexiko), den brutalen Nachkömmling des erkrankten Drogenbosses (Andy Garcia) umzulegen.
Erst gegen Ende wird klar, wer hier etwas gegen wen im Schilde führt. Die letzte Viertelstunde ist dann auch mit Abstand der beste Teil des Thrillers, der ansonsten vom gut aufgelegten Ray Liotta  und den Aufnahmen der mexikanischen Stadt lebt, welcher die Produktion auch gewidmet ist. Ein wenig mehr Mut, ausgetrampelte Genrepfade zu verlassen, hätte diesem Thriller vielleicht mehr eingebracht als die durchschnittlichste aller Wertungen.
5/10

Bildrechte: Constatin, Warner, Warner / HBO / FOX, I-On New Media, Ascot Elite / Planet Media

11. Dezember 2011

Film-Quickie: Dramatische Thriller in Serie

Wer keine Zeit hat, muss kürzer treten. Also werden die meisten Rezensionen in Zukunft deutlich kleiner ausfallen. Dafür gibt es eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Genres, gute und schlechte, alte und neue Filme. Immer wenn ich fünf beisammen habe, kommt ein neues Update – das ist zumindest der Plan. Wie immer freue ich mich über eure Rückmeldungen per Kommentar. Gefällt euch dieser neue Ansatz oder wollt ihr wieder ausführlichere Besprechungen? Braucht ihr Trailer zu jedem Film oder geht es auch komplett ohne? Trinkt Cola oder Pepsi? Nunja, ihr wisst Bescheid, also raus mit eurer Meinung! Zunächst aber zu den Kritiken:

Into the Wild
Wahre Geschichte eines jungen Mannes, der seine Wurzeln in der zivilisierten Welt abbricht, um in der einsamen Wildnis Alaskas sein Glück zu finden.
Sean Penn erschuf ein herausragendes Roadmovie, das den Zuschauer mit Zeitsprüngen fordert und diesen zum Nachdenken anregen möchte. Trotz Überlänge (148 Minuten) vermag „Into the Wild“ jederzeit zu fesseln, lässt den Zuschauer regelrecht spüren, was dem Protagonisten (Emile Hirsch) widerfährt. Dazu kommen wunderbare Bilder, ein erhabener Soundtrack  und ein superber Cast, in dem auch Kristen Stewart beweist, dass sie deutlich mehr kann als ein keusches Menschenkind an der Seite von Vampiren und Werwölfen zu spielen.
SEHR GUT – Note 1,4

Shutter Island
Ein FBI-Agent soll in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusammen mit seinem Partner das Verschwinden einer Patienten aus einer Nervenheilanstalt für psychisch gestörte Verbrecher aufklären. Seine Arbeit wird dabei von Halluzinationen und der alles andere als kooperativen Anstaltsleitung erschwert.
Im düsteren Thriller des begnadeten Regisseurs Martin Scorsese ist nichts, wie es zunächst scheint. Doch bis das komplexe Verwirrspiel aufgelöst wird, erlebt der Zuschauer einen grandios fotografierten,  überzeugend gespielten, manchmal aber auch etwas übertrieben stilisierten Film Noir, wie er in der heutigen Zeit inmitten seelenloser Thriller von der Stange wahrhaft selten geworden ist.  Kaum zu glauben, dass aus dem einstigen Titanic-Frauenschwarm einer der besten Schauspieler der Welt geworden ist. Chapeau, Mister DiCaprio!
GUT – Note 1,7

My Name is Earl – Staffel 1
Stell‘ dir vor, du gewinnst 100.000$ in einer Lotterie – und verlierst das Los, da du von einem Auto überfahren wirst. So erging es dem Kleinkriminellen Earl Hickey. Doch dann sieht er eine Sendung im Fernsehen, in welcher ein Prominenter über die Lehre des Karma spricht. Frei nach dem Motto „Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren“ krempelt Earl sein komplettes Leben um und erstellt eine Liste mit allen schlechten Taten, die er jemals begangen hat. In über zwanzig Episoden macht er sich nun gemeinsam mit Bruder Randy daran, den geschädigten Personen zu helfen und ein besserer Mensch zu werden…
Ja, jede Episode folgt in etwa dem gleichen Schema. Ja, die Botschaft ist genauso simpel, wie das oben genannte Grundprinzip des Karma. Und dennoch: Jason Lee nimmt man den geläuterten Taugenichts sofort ab, die Nebencharaktere sind klasse (allen voran eine gemeine Ex-Frau, deren neuer Stecher sowie Earls naiver Bruder) und vor allem: die Witze sitzen. „My Name is Earl“ ist eine Gute-Laune-Serie vom Feinsten und teilt sich mit „Big Bang Theory“ den zweiten Platz in der Sparte der zwanzigminütigen Comedyserien - direkt nach „Scrubs“, versteht sich. Einziges Problem: Wie bei vielen neuen Serien sollte man besser auf den englischen Originalton zurückgreifen, welcher glaubhafter und schlichtweg passender daherkommt.
GUT – Note 1,6

Control – Du darfst nicht töten (Beileger der SFT 01/12)
Ein Mörder soll dank einer neuartigen Droge doch noch zum Gutmenschen mutieren. Für seine Teilnahme an den dazu gehörigen Versuchen entkommt er der Todesstrafe. Doch keiner weiß, ob und wie lange seine Pillen Wirkung zeigen…
Ray Liotta liefert als scheinbar hoffnungsloser Soziopath eine wahrlich bemerkenswerte Leistung ab, auch Willem Dafoe weiß zu überzeugen. Obwohl das Drehbuch nach starkem Beginn vor allem gegen Ende schwächelt und einige Logiklöcher offenbart, ist „Control“ ein durchaus sehenswerter Thriller.
BEFRIEDIGEND – 2,9

Cherrybomb (Beileger der SFT 01/12)
Zwei gelangweilte Jugendliche schlagen regelmäßig über die Stränge, um ein ebenso gelangweiltes Mädchen zu beeindrucken.
Leider konnte ich mit der Story weniger anfangen als zunächst vermutet, eine Identifizierung mit den Protagonisten war mir leider überhaupt nicht möglich. Filmisch ist „Cherrybomb“ aber absolut in Ordnung, wenngleich er kaum mehr darstellt als eine Kopie ähnlich gelagerter Jugendfilme.
BEFRIEDIGEND – Note 3,2  


Bildrechte:  Universum, Concorde, 20th Century Fox, Kinowelt. Capelight

11. Oktober 2011

Kurz kritisiert: Melancholia

Genre: Drama / Science-Fiction Originaltitel: Melancholia Produktion: D, DK, F, I, SW 2011 Regisseur: Lars von Trier Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, Charlotte Rampling, John Hurt, Alexander Skarsgård, Stellan Skarsgård, Brady Corbet, Udo Kier, Jesper Christensen FSK: 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Concorde

Stell‘ dir vor, alle feiern deine Hochzeit - nur du nicht… Justine (Kirsten Dunst) ist die nicht sonderlich glückliche Braut, welche aufgrund starker Depressionen Probleme mit gängigen Bräuchen und Konventionen hat. Statt die Hochzeitstorte anzuschneiden, nimmt sie etwa einfach mal spontan ein Bad. Klar, dass das weder den Gästen, allen voran Claire (Justines Schwester, gespielt von Charlotte Gainsbourg) und deren Mann (richtig gut: Kiefer Sutherland) sowie dem Hochzeitsplaner (kurios: Udo Kier) sonderlich gefällt. Dazu fordert sie ihr Chef auch noch auf, sich während der Party einen Slogan für eine neue Werbekampagne zu überlegen. Doch dies alles wirkt unglaublich unwichtig im Vergleich zum Planeten Melancholia, der sich auf direktem Weg zur Erde befindet und bereit ist, statt dem Hochzeits- das Tanzbein des Todes zu schwingen…

Nach einem mehrminütigen Einstieg aus klassischer Musik und Sequenzen in Super-Zeitlupe, der stark an Lars von Triers letztes Werk „Antichrist“ erinnert, erlebt der Zuschauer neben den völlig durchgeknallten Gästen, die sich mit unglaublich offenen Worten gegenseitig niedermachen, vor allem Justines langsamen Zusammenbruch mit, den auch Claire kaum verlangsamen kann. Später wendet sich das Blatt und Justine muss Claire unterstützen, als die im Angesicht des möglichen Weltuntergangs panisch um ihr Leben fürchtet. Dieser Wandel, dieser Wechsel des jeweiligen Souveräns, ist hochinteressant, wenngleich für den Regisseur fast schon Standard. Dennoch ist es unglaublich, wie er es immer wider schafft, seine Darsteller zu Bestleistungen anzutreiben - wer hätte beispielsweise gedacht, dass Kiefer Sutherland ein richtig ernst zu nehmender Charakterdarsteller sein kann? Nicht verschwiegen werden sollte auch die Leistung des filmischen Schwesternpaares Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg. Während erstere verdientermaßen mit dem Silbernen Löwen in Cannes ausgezeichnet wurde, überzeugt letztere nach ihrer geradezu teuflischen Rolle in „Antichrist“ erneut auf ganzer Linie.


„Melancholia“ ist insgesamt trotz kühler Bilder und latenter Weltuntergangsstimmung deutlich hoffnungsvoller als „Antichrist“, was sich vor allem im herrlich kuriosen, beinahe surrealen Humor bemerkbar macht, aber auch in der klareren Aussage. Man merkt förmlich, dass es dem dänischen Regisseur nach seinem großen Tief während der Dreharbeiten zum Quasi-Vorgänger langsam wieder etwas besser geht. Ob jedoch die Konfrontation der Planeten Erde und Melancholia ein gutes Ende nehmen wird? Sagen wir es so: Wer Lars von Triers bisherige Werke kennt, wird sich die Antwort bereits denken können. Jedenfalls habe ich im Kino während der ersten Minute eines Abspannes noch nie eine solche Stille vernehmen dürfen… „Melancholia“ ist ganz großes Independent-Kino: variantenreich, intelligent, grandios - und ganz sicher nicht für Jedermann.

Filmwertung: SEHR GUT – Note 1,2



Anmerkung: Die Idee zu dieser Geschichte kam Lars von Trier nach einem Briefwechsel mit Penélope Cruz. Da diese jedoch wegen eines anderen Projektes absagen musste, übernahm Kirsten Dunst die Hauptrolle.

2. August 2011

Kurz kritisiert: Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen

Genre: Dokumentation Originaltitel: Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen Produktion: D 2011 Regisseur: Aljoscha Pause Darsteller: Thomas Broich u.a. FSK: ab 0 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Mindjazz Pictures

Thomas Broich kann auf ein wahrlich bewegtes Fußballerleben zurückblicken - und das, obwohl er mit 30 Jahren noch immer als Profi gegen den Ball tritt. Lange Zeit gehörte er neben Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski zu den aufstrebenden Talenten, die bei der WM 2006 für Furore sorgen sollten. Doch es kam anders: Während die Erstgenannten bereits unzählige Länderspiele bestritten haben, durfte Thomas Broich nie das Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft überstreifen. Und so entstand eben nicht der vom Regisseur erwartete Film über einen baldigen Star, sondern das Zeitzeugnis eines langen Absturzes und einer späten Erlösung. Der Filmtitel geht übrigens auf die erste E-Mail-Adresse des Kickers zurück, in der er die Brücke zu seinem großen Idol Zinedine Zidane schlägt: tommeetszizou@aol.com.

Die erste Langzeitdokumentation (2003-2011) über einen deutschen Fußballer besteht vor allem aus Spielszenen, Interviews mit Thomas Broich und vielen seiner Weggefährten, etwa Christoph Daum, zu dem er kein gutes Verhältnis hatte, und dem Reflexion des ganzen durch den inzwischen wieder geerdeten Menschen. Mitspieler und Trainer erzählen süffisant von ihrer Verwunderung über seinen Hang zur klassischen Musik und vor allem zur Literatur, die Presse nimmt dies dankbar auf. Broich ist eben kein normaler Fußballprofi: Er ist technisch herausragend, fast schon ein Künstler, doch stimmt sein Lebensstil nicht mit dem überein, was man hierzulande als richtig erachtet, wenn man in der Bundesliga und Nationalmannschaft Fuß fassen will.

Und so macht auch der Film eine Wendung: Vom jungen Talent, das von der Presse als „Mozart“ bezeichnet wurde und mit glänzenden Augen Begeisterung über das Interesse an ihm berichtet, über den immer mehr grübelnden Status als verletzter, formschwacher und von vielen Trainern missverstandener Fußballkünstler mit fehlendem Ergeiz bis hin zum Neuanfang in Australien und dem Blick zurück auf eine alles andere als gewöhnliche Karriere. Dabei lernt man den Protagonisten als durchaus selbstkritischen Menschen kennen, der aber auch nicht ganz verstecken kann, dass er dennoch viel von sich und seiner Persönlichkeit hält. Dass ihn dies dennoch nicht unsympathisch erscheinen lässt, liegt auch an der guten filmischen Umsetzung durch den Dokumentarfilmer Aljoscha Pause, der den Zuschauer in über zwei Stunden mit guter Musik, auflockerndem Humor, gelungenen Schnitten und beeindruckenden Spielszenen bei der Stange hält. Wer sich auch nur ansatzweise für die Hintergründe der ach so schönen Bundesligawelt interessiert, darf sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Filmwertung: GUT – Note 1,8



Anmerkung: Alle sechs hochinteressanten Trailer zum Film listete ich bereits vergangene Woche übersichtlich auf: Zur Trailer-Show.

21. Juni 2011

Kurz kritisiert: The Tree of Life

Genre: Drama / Fantasy Originaltitel: The Tree of Life Produktion: USA 2010 Regisseur: Terrence Malick Darsteller: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Laramie Eppler, Tye Sheridan, Fiona Shaw FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des verlinkten Filmplakats und der weiteren Bilder): Concorde

Wie die meisten Filmfreunde fing auch bei mir die Leidenschaft des Filmsammelns mit Hollywood-Blockbustern an. Die sind in der Regel leichte Kost, richten sich an ein breites Publikum, machen es dem zuschauer in der Regel leicht, Sympathien und ähnliche Gefühle zu entwickeln, welche ihm helfen, den Film zu verstehen und zu mögen. Doch irgendwann wendete ich mich immer mehr von dieser ständig gleichen Fließbandproduktion ab, denn bis auf wenige und äußerst seltene Ausnahmen wird schlicht das gezeigt, was die meisten Zuschauer in die Kinos treibt, den Gewinn maximiert. So entdeckte ich Independentfilmgrößen wie Lars von Trier und Jim Jarmush für mich, interessierte mich mehr für schwedische, französische, südamerikanische Streifen. Denn diese boten Innovation, Mut und den Blick auf die Aussage, weniger auf die Befindlichkeiten des durchschnittlichen Filmfreunds. Doch dass ich längst nicht an allem, was neu ist, was als Kunst bezeichnet wird, auch wirklich Gefallen finden kann, wurde am gestrigen Abend beim Kinobesuch von „The Tree of Life“ überdeutlich.

Grundsätzlich geht es im Film um den jungen Jack (Hunter McCracken), der im Amerika der 50er-Jahre zusammen mit seinen beiden Brüdern von seinem strengen, fast schon launischen Vater (Brad Pitt) und der einfühlsamen Mutter (Jessica Chastain) zwei grundverschiedene Beziehungsansätze erlebt, die sich nur in wenigen Punkten überschneiden, etwa in der Ausübung des starken Gottesglaubens. Doch immer wieder sieht man auch den erwachsenen Jack (Sean Penn), der immer scheinbar ruhelos von den Erlebnissen seiner Kindheit durch gläserne Bürokomplexe und über Strände läuft.

So weit, so nachvollziehbar. Doch Regisseur Terrence Malick möchte nicht nur Jacks Kindheit in zahlreichen kurzen Szenen rekapitulieren, sondern gleich die Entstehungsgeschichte der ganzen Erde erzählen, weshalb er nach etwa einer Viertelstunde völlig unerwartet vom Urknall an das aufkeimende Leben zeigt und sogar einige Minuten später mittelprächtig animierte Dinosaurier (!) durch die Wälder hüpfen lässt. Meines Erachtens wird man hier vom Regisseur fälschlicherweise allein gelassen, quält sich fast durch die ellenlangen Szenen, die man weder erwartet noch erhofft hatte. Paradoxerweise zeigt sich der Film jedoch gerade hier von seiner stärksten Seite: Die grandiosen Bilder und vor allem die wunderschöne klassische Musikuntermalung von Alexandre Desplat werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

„Sag mal, geht das jetzt die ganze Zeit so?“ (Die Frage einer lästigen, weil häufig kommentierenden Zuschauerin an ihren Begleiter, als man nach etwa zwanzig Minuten tatsächlich meinen konnte, die Filmrollen von „The Tree of Life“ und einer BBC-Dokumentation über den Urknall seien vertauscht worden.)

Auch die Schauspieler spielen durchaus gut, allerdings konnte ich nur selten mit ihnen mitfühlen, da es der Film nicht vermochte, mich emotional ins Boot zu holen. Schade. So wirkten die meisten der zahlreichen Off-Kommentare (mal vom Vater, mal von den Eltern) abwechselnd befremdlich oder gar unfreiwillig komisch. À propos Kommentare: Sean Penn, der ja den erwachsenen Jack spielt, hat in Deutschland mit Tobias Meister denselben Synchronsprecher wie Brad Pitt. Da letzterer aber deutlich häufiger zu sehen ist, wird Penn leider von Marcus Off gesprochen, was eine grauenhaft unpassende Wahl war. Glücklicherweise spricht er kaum, sondert schaut meistens nur bedrückt…


Am Ende bleibt ein einhundertachtunddreißigminütiges Intro voller Erinnerungsschnipsel, künstlerisch anspruchsvoller Bilderwelten und einem tollen Soundtrack. Aus meiner Sicht ein klarer Fall von „Style over Substance“ – ich hatte mir aber gerade von der Aussage des Films mehr erhofft als einen Haufen Eindrücke, aus dem der Zuschauer gefälligst selbst etwas herausziehen soll. So stellte sich mir und den meisten der anderen ratlos wirkenden Kinogänger bereits lange vor dem Abspann die Frage: Ist das noch Kunst oder kann das weg?

Filmwertung: AUSREICHEND – Note 3,9



9. Februar 2011

Kurz kritisiert: Black Swan

Genre: Drama / Psycho-Thriller Originaltitel: Black Swan Produktion: USA 2010 Regisseur: Darren Aronofsky Darsteller: Natalie Portman, Vincent Cassel, Barbara Hershey, Mila Kunis, Christopher Gartin, Winona Ryder FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): 20th Century Fox

Der so geniale wie fordernde Direktor des New Yorker Theaterensembles, Thomas Leroy (Vincent Cassel), sucht für eine neue Inszenierung des Schwanensees eine geeignete Nachfolgerin für die bisherige Primaballerina Beth (Winona Ryder). Seine Wahl fällt auf Nina (Natalie Portman), die seiner Meinung nach jedoch noch nicht genug Leidenschaft zeigt, um neben dem weißen auch den schwarzen Schwan zu verkörpern. Angetrieben von Thomas, ihrer herrschsüchtigen Mutter (Barbara Hershey) und vom vermeintlichen Druck der Zweitbesetzung Lily (Mila Kunis) steigert sich Nina in eine Psychose, die Realität und Phantasie mehr und mehr verschmelzen lässt…

Darren Aronofskys fünfter Film wird von ihm selbst gerne in einem Atemzug mit „The Wrestler“ genannt. Der Regisseur sieht die beiden Werke als Diptychon, als zweiteiliges Werk. Und tatsächlich fallen einige Gemeinsamkeiten zum Wrestler-Drama mit Mickey Rourke auf. Sei es der tragische Verlauf der Geschichte, das trost- und hoffnungslose Privatleben der Protagonisten oder aber die körperlich wie geistig zermürbende Arbeit. Und selbst die Schlussszenen ähneln sich, [SPOILER: Zum Lesen bitte den Text markieren] da beide am Ende in ihren vermeintlichen Tod springen [/SPOILER].

Einzeln betrachtet ist „Black Swan“ ein Drama mit starken Horror-Elementen, welche durch Ninas wachsende Psychose hervorgerufen werden. Diese Szenen sind nichts für schwache Nerven, weshalb man sich bewusst sein sollte, dass es sich beileibe nicht um einen reinen Ballett-Film handelt. Dies und der erst kürzlich rezensierte „The Fountain des selben Regisseurs waren für mich die Gründe, nach langer Abstinenz mal wieder ein Kinoticket zu lösen.

Die tragische Geschichte verlangt viel Einsatz von seinen Darstellern. Da Natalie Portman für ihre Rolle zuerst das Balletttanzen lernen musste und für ihre Darstellung auch zurecht mit einer Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin geehrt wurde, wird diese in vielen Artikeln besonders hervorgehoben. Doch dies wird dem restlichen Cast keineswegs gerecht, sind es doch vor allem der unsagbar geniale Vincent Cassel sowie die überzeugenden Barbara Hershey und Mila Kunis, die erst die große Glaubwürdigkeit des Filmes ermöglichen.

Doch trotz dieser Tatsache und des im Großen und Ganzen filmisch kaum zu kritisierenden Werkes von Darren Aronofsky vermochte mich das Ballett-Thema nicht sonderlich zu fesseln. Wenngleich der Fokus eher auf der Psyche liegt, verhindert dies aus meiner Sicht eine bessere Wertung. Dennoch ist „Black Swan“ ein gutes Drama geworden, das für Fans des Regisseurs oder der Schauspieler ebenso ein Muss ist wie für generell an der Geschichte Interessierte.

Filmwertung: GUT – Note 2,2



Anmerkung zum Regisseur: Darren Aronofsky ist für außergewöhnliche Dramen bekannt und konnte bereits mit „Pi“ und „Requiem for a Dream“ überzeugen. Nach „The Fountain“ verhalf er Mickey Rourke in „The Wrestler“ zu einem nicht für möglich gehaltenen Comeback. Momentan läuft der hier vorgestellte „Black Swan“ in den deutschen Kinos.

26. November 2010

Kurz kritisiert: Kurzer Prozess - Righteous Kill

Genre: Thriller Originaltitel: Righteous Kill Produktion: USA 2008 Regisseur: John Avnet Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Carla Gugino, Donnie Wahlberg, John Leguizamo, 50 Cent FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Kinowelt

Robert de Niro und Al Pacino sind zweifelsohne Meister ihres Fachs. In „Kurzer Prozess“ spielen die alten Haudegen Cops, die auch mal Beweise fälschen, um einen Verbrecher hinter schwedische Gardinen zu bringen. Doch irgendwann reicht das nicht mehr und eine schier endlose Serie an Morden nimmt ihren Lauf. Keiner würde ahnen, dass die beiden ungemütlichen, aber bisher doch verlässlichen Gesetzeshüter etwas damit zu tun haben könnten…

Man bekommt es hier mit einem Hollywood-Thriller klassischer Bauart zu tun: Es wird abwechselnd geredet und geschossen, hier und da wird der Zuschauer auf eine falsche Fährte geschickt, ehe eine Wendung am Schluss wieder alles über den Haufen wirft. Gerade dieser Twist ist jedoch erstens vorhersehbar und wird zweitens etwas unlogisch begründet – ein in diesem Genre kaum zu verzeihender Fauxpas. Dass „Kurzer Prozess“ trotzdem unterhält, liegt an den beiden Hauptdarstellern, die routiniert, dabei aber immer glaubhaft aufspielen und einfach prächtig harmonieren.

Filmwertung: BEFRIEDIGEND – Note 2,8


14. November 2010

Der Podcast: Folge1

Endlich ist die lange geplante erste Folge des Podcasts von „Das Filmzeugnis“ online! Also sperrt die Lauscher auf, ich wünsche gute Unterhaltung!


Der Inhalt:

00:10 min: Serien-Check: It’s always sunny in Philadelphia

04:58 min: Kurz kritisiert: Collateral Damage – Zeit der Vergeltung

07:57 min: Beileger-Infos: Eine kleine Einführung ins Thema sowie die Kritik zu den Film-Beilegern der folgenden Magazine:
• SFT (Shadowless Sword)
• Computer Bild (Zivilprozess)
• Widescreen (36 Stunden bis zum Tod)
• DVD Magazin (Der Unhold)
• TV Movie (Underworld)
• TV Direkt (Intermission)
• AudioVideoFoto Bild (Verlockende Falle)

13:52 min: Sonstiges: Was es sonst noch zu sagen gibt, vor allem die Bitte, dass ihr mir im Kommentarbereich (keine Anmeldung erforderlich: wählt einfach "Name/URL") mitteilt, wie ihr Folge 1 fandet, ob ihr eine zweite wollt und inwiefern ich diese verbessern könnte. Doch bei aller erwünschter Kritik: Über Lob freue ich mich natürlich auch!

29. Oktober 2010

Kurz kritisiert: Volver - Zurückkehren

Genre: Tragikkomödie Originaltitel: Volver Produktion: ESP 2006 Regisseur: Pedro Almodóvar Darsteller: Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Dueñas, Blanca Portillo, Yohana Cobo FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Filmplakats): Universum / UFA / Tobis

Wohin nur mit der Leiche!? Raimunda (Penélope Cruz) fällt da lediglich die Kühltruhe eines stillgelegten Restaurants ein. Denn nachdem Tochter Paula ihren Freund Paco nach dessen Annäherungsversuch erstach, muss ganz schnell eine Lösung her. Apropos Leiche: Dummerweise bekommt es Raimunda jetzt auch noch mit der vermeintlichen Reinkarnation ihrer Mutter zu tun, da sich diese mit ihrem Kind versöhnen will. Diese Rückkehr ins Leben erklärt dann auch den etwas holprigen deutschen Filmtitel.

Ich kenne eigentlich keinen Film, in dem fast ausschließlich Frauen spielen. Denn außer Paco, der ja nur ein kurzes Dasein fristet, werden alle tragenden Rollen von Evastöchtern übernommen: Neben Raimunda sind das ihre Tochter, Schwester, Tante, Mutter und Freundin. Für mich war das zunächst äußerst anstrengend, auch weil man sich an die Synchronfassungen spanischer Filme aufgrund des höheren Sprechtempos erstmal gewöhnen muss. Doch nach einiger Zeit war dieser Anpassungsprozess abgeschlossen und ich konnte mich an dem sehr schwarzen Humor, den herausragenden schauspielerischen Leistungen, der kuriosen Geschichte und nicht zuletzt an der reizenden Penélope Cruz erfreuen. Weniger rund als deren opulente Oberweite fällt aber manche Charakterzeichnung aus, weshalb sich „Volver“ mit einer gerade noch guten Wertung begnügen muss.

Filmwertung: GUT – Note 2,4



2. August 2010

Kurz kritisiert: Inception

Genre: Sci-Fi-Thriller Produktion: GB / USA 2010 Regisseur: Christopher Nolan Darsteller: Leonardo DiCaprio, Ken Watanabe, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard, Ellen Page, Tom Hardy, Cillian Murphy, Tom Berenger, Michael Caine, Lukas Haas FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des verlinkten Filmplakats): Warner Bros.

Seit Wochen ist die Marketing-Maschinerie in vollem Gange: Weder im Fernsehen noch im Internet ist man vor Christopher Nolans neuestem Streich sicher. Normalerweise stößt mich dieser übertriebene Hype eher ab, in diesem Fall war ich mir aber sicher, dass der 40-jährige Brite qualitativ an seine ausgezeichneten Werke der Vergangenheit (unter anderem Memento, Prestige oder die beiden ersten Batman-Teile) anknüpfen wird. Dass meine Erwartungen erfüllt, ja beinahe übertroffen wurden, ist nach der überragenden Kritik vieler privilegierter Preview-Besucher keine große Überraschung.

Kurz zur Story: Cobb (Leonardo DiCaprio) ist auf so genannte Extractions spezialisiert. Darunter versteht man das Stehlen von Gedanken aus dem Unterbewusstsein Dritter. Da in den USA wegen eines nicht begangenen Verbrechens nach ihm gefahndet wird, kann er seine Kinder nicht mehr sehen. Um dies zu ändern, willigt er in den extrem riskanten Versuch ein, bei dem Erben eines großen Konzerns eine Inception durchzuführen, also einen Gedanken einzupflanzen. Sein Auftraggeber versichert ihm, dass er bei Gelingen wieder ungefährdet in seine Heimat einreisen dürfe. Für Cobb Grund genug, sein Team auf diese gefährliche Mission anzusetzen.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen, denn hinter „Inception“ steckt ein extrem vielschichtiger Thriller, der dem Zuschauer ein hohes Maß an Konzentration abverlangt, ihm dafür aber auch einiges zurückgibt. In schnellen Schnitten springt der Streifen zwischen verschiedenen Traumebenen und der vermeintlichen Realität hin und her, sodass der Begriff Hirnverdreher sicher nicht von ungefähr kommt. Große Logiklöcher fielen mir dabei glücklicherweise nicht auf, das Abenteuer ist von vorn bis hinten durchdacht, mit genialen Effekten ausgestattet und von einer Schauspielgarde getragen, die bis in die kleinste Nebenrolle überzeugt. Drehbuch, Regie und Kamera sind ebenfalls großartig und lassen „Inception“ zu einer einzigartigen Mixtur aus Kunstwerk und Mainstream-Produktion verschmelzen. Dies alles führt dazu, dass die 148 Minuten schneller vergehen wie manch 90-minütiger Genre-Kollege. Ein Film, der im Gedächtnis bleibt und von jedem gesehen werden sollte, der bereit ist, dieser ebenso philosophischen wie spannenden Abenteuerreise seine volle Aufmerksamkeit zu widmen.

Filmwertung: SEHR GUT – Note 1,4


25. Juli 2010

Kurz kritisiert: Mini's first Time – Mein erster Mord

Genre: Krimi-Komödie Produktion: USA 2006 Regisseur: Nick Guthe Darsteller: Alec Baldwin, Nikki Reed, Carrie-Anne Moss, Jeff Goldblum, Luke Wilson FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des verlinkten Filmplakats): Concorde

Mini (Nikki Reed) hat Spaß daran, Dinge zum ersten Mal zu tun: Das gilt unter anderem für den Sex mit ihrem Stiefvater (Alec Baldwin) sowie der „Beihilfe zum Selbstmord“ bei ihrer Mutter (Carie-Anne Moss). Doof nur, dass die Polizei der Inszenierung nicht glauben will…

Trotz zahlreicher namhafter Schauspieler verkommt dieses Filmchen mit zunehmender Spielzeit immer mehr zur lächerlich-oberflächlichen Krimi-Groteske. Nikki Reed ist sexy, keine Frage. Allerdings sollte der uninspirierte Vollpfosten, der beschloss, diese Dame auch als Erzählerin fungieren zu lassen, besser keine Filme mehr drehen. Das macht die Geschichte nicht nur vorhersehbar, sondern auch dünner als eine Scheibe Knäckebrot. Da kann Carie-Ann Moss noch so genial die durchgedrehte reiche Schlampe spielen und Alec Baldwin routiniert den Schein wahren – dieser Film ist für einen Krimi zu langweilig, für eine Komödie zu unlustig und damit für einen schönen Filmabend völlig missraten.

Filmwertung: AUSREICHEND – Note 4,1

Anmerkung: Lief bereits mehrfach im Free-TV und war Beileger der TV Movie 20/08. Ausnahmsweise werde ich keine Trailer einfügen. Wer mag, darf sich gerne selbst auf die Suche begeben.

6. Juli 2010

Kurz kritisiert: Abbitte

Genre: Drama Produktion: GB 2007 Regisseur: Joe Wright Darsteller: Keira Knightley, James McAvoy, Saoirse Ronan FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des verlinkten Filmplakats): Universal

England im Jahre 1935: Getrieben von Eifersucht und Ignoranz beschuldigt die 13-jährige Briony Tallis den Freund ihrer Schwester der Vergewaltigung. Der zu Unrecht Verurteilte kommt erst durch den Zweiten Weltkrieg wieder frei, indem er freiwillig der Armee beitritt. Nach und nach wird auch Briony klar, wie falsch sie gehandelt hat. Sie sinnt auf Wiedergutmachung…

Abbitte ist eine intensive Parabel über Schuld, Liebe und Hoffnung. Über die Gegensätze Wahrheit und Lüge, Gut und Böse. Der Film begleitet die Schwestern nicht nur über viele Jahre, er wird auch teilweise durch Zeitsprünge erzählt. Diese erfordern zwar eine hohe Konzentration, tragen aber klar zur weiteren Intensivierung des Stoffes bei. Trotz hervorragender Schauspieler, gelungener Dialoge und eben jener achronistischen Erzählstruktur fehlt dem Drama etwas Feinschliff zur Perfektion. Manche Szenen wirken langatmig, andere fallen zu knapp aus. Dennoch erlebt der Zuschauer einen außergewöhnlich guten Film, auf den man sich für dessen volle Entfaltung aber einlassen muss.

Filmwertung: GUT – Note 1,5



Anmerkung: Die neue Rubrik „Kurz kritisiert“ dient als Basis für jene Filmtests, welche ich nicht im Heimkino auf DVD sah, also beispielsweise für Kino- oder Fernsehfilme. Über Verbesserungsvorschläge zu dieser Art der Kurzkritik würde ich mich sehr freuen. Auch sonst sind Kommentare stets erwünscht!