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28. Mai 2012

Film-Quickie: Wer steht schon auf Mononationalismus?

"Wie bitte was?“ fragt sich vielleicht mancher Besucher beim Lesen der Überschrift. Nun, die meisten Filme spielen in dem Land, in dem sie produziert wurden, mit einheimischen Protagonisten und so weiter. Daher stehen heute mal  interkulturelle Filme auf der Speisekarte: Es geht um Amerikaner im Irak, Touristen aus aller Herren Länder in Griechenland und britische Geheimdienstler in Irland. Zugegeben, richtig außergewöhnlich mögen diese Beispiele nicht sein, doch fiel mir auf die Schnelle kein besserer Aufhänger ein. Also angeschnallt und losgelesen!

Buried – Lebendig begraben
„Buried“ zeigt den verzweifelten Überlebenskampf eines Mannes (überraschend glaubwürdig: Ryan Reynolds), der in einem Sarg vergraben wurde. Nur mit Handy, Feuerzeug und Taschenlampe versucht er alles, um wieder Tagesluft atmen zu dürfen…
Respekt, es gibt also aller Unkenrufe zum Trotz noch hier und da Hollywood-Produktionen, die altbekannte Sehgewohnheiten über Bord werfen und Neues  wagen. Zwar wurde nicht auf jedes Klischee rund um das kriegstreibende Völklein westlich des Atlantischen Ozeans verzichtet, doch der Mut, hier und da anders zu sein als aus der Traumfabrik gewohnt, erfreut das Auge und trägt zur Stimmung bei. Schade: Obwohl man in den eineinhalb Stunden nur Ryan Reynolds zu Gesicht bekommt, fiel mir eine Identifikation mit seinem Charakter schwer, weshalb der klaustrophobische Streifen leider nicht eine derart große Spannung aufbaut wie intendiert. Dennoch ist diese gelungene Mischung aus Thriller und Drama absolut sehens- und empfehlenswert.
8/10

My Big Fat Greek Summer
Eine studierte Historikerin versucht sich in Griechenland als Reisebegleiterin über Wasser zu halten. Da sich aber die Klischee-Touristen grundsätzlich nur für Shopping und Strand, nicht aber für Kulturgeschichte interessieren, steht die Protagonistin kurz vor dem Rauswurf. Auch ihre neueste Wochen-(Tor)Tour beginnt alles andere als glücklich, bekommt sie doch eine vermeintlich unangenehme Gruppe, einen auf den ersten Blick unheimlichen Busfahrer und noch dazu ein Reisemobil, das vielleicht im letzten Jahrtausend mal ganz brauchbar war...
Der größte Witz an dieser romantischen Komödie lässt sich nicht lange Zeit, versteckt er sich doch ganz subtil im Namen des vollbärtigen, schweigsamen Busfahrers: Pupsi Kakas. Witz lass nach, welch Einfallsreichtum! Über weite Strecken bleibt das Drehbuch sogar unter diesem Niveau und leistet sich zudem einige Aussetzer in der Charakterisierung und den Dialogen. Dennoch gibt es auch einige positive Aspekte, etwa die wunderschön eingefangenen Sehenswürdigkeiten der alten Griechen, Richard Dreyfuss als weiser, aber zu Beginn doch sehr nerviger Spaßvogel, und einige gelungene Mundwinkelerhöher. Das ist immerhin deutlich mehr, als ich zu hoffen wagte und dürfte bei anspruchslosen Naturen für einen netten Sonntagnachmittag taugen.
4/10

50 Dead Men Walking – Der Spitzel
Ein Kleinkrimineller landet in den Fängen der IRA. Er erkennt zwar den Charme der Vereinigung, weiß aber dennoch ihre Machenschaften richtig einzuordnen. Daher wird er zum Spitzel der Briten, verrät fortan Namen und Pläne. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auffliegt…
Die um einige fiktionale Details angereicherte wahre Geschichte des britischen Spitzels Martin (glaubwürdig: Jim Sturgess) kommt recht langsam in Fahrt, weiß aber gerade gegen Ende zu fesseln und erzählt eine beklemmende europäische Kriegsgeschichte. Besonders beeindruckend ist dabei das Spiel Ben Kingsleys, der als britischer Sicherheitsoffizier gelungen den Spagat zwischen Vaterfigur und Mentor verkörpert und so dazu beiträgt, dass der Zuschauer auch über den recht ermüdenden Mittelteil hinaus am Ball bleiben möchte. Regisseurin Kari Skogland liefert mit dem Thriller-Drama ihren wohl besten Film ab, verdient sich die gute Wertung aber nur dank des Schlusses und Ben Kingsley gerade so.
7/10

Bildrechte: Ascot Elite (2x), Splendid

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