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15. April 2012

Film-Quickie: Gute Unterhaltung kennt keine Nationalität

England, Hongkong, Österreich, Ukraine, Thailand, USA – wenn das mal keine internationale Auswahl ist! Doch auch die Genres sind abwechslungsreich und bedienen Fans von Action-Filmen, Thrillern,  Komödien, Doku-Dramen und TV-Krimis. Doch lest selbst:  

Import Export
Die Ukrainerin Olga reist nach Wien, um dort als Putzhilfe Geld für sich und ihre Familie zu erarbeiten. Sie stößt dabei auf viele Hürden, Vorurteile und Anfeindungen. Ähnlich geht es dem österreichischen Tagelöhner Paulie, den es für einen Auftrag nach Osteuropa zieht, wo er zwar dem Stress in seiner Heimat entkommt, sich aber mit seinem Kollegen und Stiefvater herumschlagen muss.
Ulrich Seidls Drama mutet so dokumentarisch an, dass man sich erst während der aufgelisteten Darstellernamen im Abspann sicher ist, einen Spielfilm gesehen zu haben. Die ungeschönte, äußerst raue Darstellung des Herrentums gegenüber Menschen aus ärmeren Regionen der Welt ist so hässlich wie die Realität, die Leiden der Protagonisten lasten ebenfalls schwer auf dem Gemüt. Außerdem fällt es ohne Untertitel mitunter sehr schwer, dem wienerischen Gebrabbel zu folgen. Dennoch: „Import Export“ ist ein herausragender und absolut empfehlenswerter Film, der den Zuschauer auf mannigfaltige Art und Weise für sein Durchhaltevermögen belohnt. Wer tiefe Blicke in die Psyche vermeintlich gescheiteter Existenzen auf dem Scheideweg werfen will, liegt hier jedenfalls vollkommen richtig.
8/10

Ong Bak
Kampfkunstfilme aus Asien haben in der Regel folgende Dinge gemeinsam: Sie sehen spektakulär aus, bieten viel Stil, einige gute und natürlich auch schöne Menschen, noch mehr ganz arg böse und auf so etwas wie eine Geschichte wird von vornherein verzichtet. Doch bei den meisten Vertretern wird der Spaß an den sorgfältig choreographierten  Kloppereien durch die verwendeten Haltekabel und sonstigen unrealistischen Hilfsmittel getrübt. Ganz anders bei Ong Bak: Hier wird auf Hilfen verzichtet, Tony Jaa zeigt viele Stunts ohne Seile, Netz und doppelten Boden. Und das beeindruckt vor allem in der ersten Hälfte des Filmes. Die Story passt zwar auch hier auf einen Bierdeckel, aber anfangs wirkt alles stimmig: Charaktere, Tempo, Kämpfe. Nach und nach nutzt sich das aber ab, die Geschichte fällt in ein Loch, das nur notdürftig mit immer langweiligeren Kämpfen gefüllt wird. Was zu Beginn großartig ist, regt gegen Ende zum Gähnen an. Wirklich schade also, dass „Ong Bak“ kein zwanzigminütiger Kurzfilm wurde.
6/10

Luther – Staffeln 1 und 2
Wer meinem letzten Serien-Tipp gefolgt ist und „The Wire“ gesehen hat, der kennt auch Idris Elba. Dieser speilt auf der anderen Seite des Atlantiks, genauer gesagt in London, den Polizisten John Luther. Dessen Methoden entsprechen nicht unbedingt dem Codex sauberer Polizeiarbeit, bringen aber Erfolg. Doch muss er stets aufpassen, nicht einen Schritt zu weit zu gehen…
„Luther“ ist ein äußerst gelungenes BBC-Projekt. Die insgesamt zehn Folgen der ersten beiden Staffeln (eine dritte wurde bereits in Auftrag gegeben) zeigen stets zwei erzählerische Ebenen: Wie in deutschen 08/15-Krimis wird pro Folge ein Fall behandelt, meist mit psychologischem Hintergrund und Lösungsansatz. Außerdem gibt es aber auch eine mehrere Episoden umspannende Rahmenhandlung, die den Zuschauer an die Mattscheibe fesseln soll. Und das gelingt durchaus, auch wenn hin und wieder der Realismus zu wünschen übrig lässt, die meisten Nebendarsteller blass bleiben und die zweite Staffel weniger überzeugt als die erste. Dennoch ist die One-Man-Show des überaus talentierten und wandlungsreichen Idris Elba aus meiner Sicht die beste europäische Serie der letzten Jahre, bietet sie doch Spannung abseits ausgetretener Genre-Pfade.
8/10

Infernal Affairs 2
Der Nachfolger des gefeierten Hongkong-Thrillers spinnt nicht etwa die Geschichte um die beiden Maulwürfe, die sich bei der Mafia bzw. Polizei eingeschlichen haben, sondern erklärt jene Vorgeschichte, welche im ersten Teil nur angerissen wurde. Es geht also darum, wie die beiden Protagonisten von ihren jeweiligen Auftraggebern beim Feind eingeschleust wurden. Klingt nicht gerade innovativ, ist jedoch aufgrund der recht hohen Sterberate der Charaktere des Vorgängers durchaus nachvollziehbar.
Und auch „Infernal Affairs 2“ bietet viele spannende Momente, eine dichte Atmosphäre und ein Problem, das der werte Herr Zeis in seinem Kommentar zum ersten Teil aufgriff: Wer (wie ich) mit den Schauspielern und dem asiatischen Kino im Allgemeinen nicht vertraut ist, kann vor allem die beiden Undercover-Spione leicht verwechseln – vor allem, weil diese auch hin und wieder mal die Frisur ändern. Diese erschwerte Zuordnung kann man dem Film natürlich nur schwerlich vorwerfen, weshalb ich Thriller-Fans die Sichtung empfehlen kann, besonders Anhänger des Prequels oder aber des US-Remakes „Departed“ können bedenkenlos zugreifen.
7/10  

Swing Vote
Kevin Costner spielt einen versoffenen Chaoten, der von seiner Tochter in eine missliche Lage gebracht wird: Bei der Präsidentschaftswahl steht es exakt unentschieden und seine Stimme wird entscheiden. Für den völlig Politikuninteressierten ein Wendepunkt im Leben.
Trotz der äußerst hanebüchenen Story weiß die Komödie in vielen Punkten zu überzeugen. So driftet sie nie ins Lächerliche ab und streut geschickt Kritik an Politik- und Medienschaffenden ein. An manchen Stellen wäre mehr Mut zwar wünschenswert gewesen, doch ist die gut integrierte Aussage dennoch im positiven Sinne überraschend für eine solche Hollywood-Produktion. Meine Freundin sprach hinterher von einem „netten Film“ - und brachte es damit wertungstechnisch auf den Punkt.
6/10

Nachdem nun knapp drei Monate ohne Kritiken ins Land gezogen sind, wurden auch die Kommentare weniger und weniger. Das könnt ihr nicht so stehen lassen, oder!?
 
Bildrechte: AL!VE/Alamode Film, MC One, Polyband/WVG/BBC, Splendid

1 Kommentar:

  1. Jetzt seh ich erst, dass du mich ja direkt in einer Filmkritik mit Namen genannt hast. Fühle mich geehrt. :)

    Was IA2 angeht: Mir hat im direkten Vergleich mit dem ersten Teil vor allem "Charakter" gefehlt. Die Hauptdarsteller sind deutlich weniger markant als die beiden Herren im Vorgänger und dem gesamten Film ist anzumerken, dass er auf Schritt und Tritt versucht, den Ton des Vorgängers zu treffen. Grundsätzlich ist an diesem Ziel nichts falsch, aber wenn man es nicht ganz richtig anstellt, wirkt es eben insgesamt zu gewollt. Ein kleiner, aber für mich entscheidender Unterschied.

    Nicht falsch verstehen: IA2 ist ein guter Film. Er löst bei mir nur eben nicht ansatzweise dieselbe Begeisterung aus wie IA1 damals.

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