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11. Juli 2011

Double-Feature: My Name is Bruce / Liberty Stands Still

My Name is Bruce
Genre: Horror-Komödie Originaltitel: My Name is Bruce Produktion: USA 2007 Regisseur: Bruce Campbell Darsteller: Bruce Campbell, Grace Thorsen, Taylor Sharpe, Ted Raimi, Ben L. McCain, Ellen Sandweiss FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Capelight

Ein großer Fan des B-Movie-Darstellers Bruce Campbell beschwört aus Versehen den chinesischen Kriegsgott und Beschützer des Tofu (!) namens Guandi. Nachdem dies vielen Menschen den Kopf kostet, entführt Jeff kurzerhand seinen Filmhelden, um gegen Guandi bestehen zu können. Der Schauspieler vermutet hinter der Aktion zunächst einen neuen Film, was auch perfekt in seine momentane Sinn- und Schaffenskrise passt. Erst spät merkt der toughe Bruce, dass Guandi echter ist als die Monster, mit denen er es sonst zu tun bekommt…
„My Name is Bruce“ strotzt geradezu vor selbstironischen Anspielungen auf Bruce Campbells bisheriges Werk. Fans weisen ihn auf Fehler in seinen älteren Werken hin, eine Band schmettert einen Country-Song über den Bösewicht und der Protagonist selbst bedient natürlich alle Klischees, indem er sich etwa sofort an die hübscheste Frau des Dorfes ranmacht. Auch für mich, der mit Horror-B-Movies nicht viel anfangen kann, war dies durchaus kurzweilig und entlockte einige Lacher.
„Guan-you, Guan-me, Guan-di. Guandi is his name.“
(Teil des Titelsongs der McCain Brothers)
Insgesamt taugt der trotz FSK-16-Freigabe erstaunlich blutige Streifen aber vor allem für Fans. Diese dürfen die Wertung gerne auf ein knappes „Gut“ anheben. Alle anderen werden von der stets vorhersehbaren und alles andere als erschreckenden Horrorkomödie zwar nicht gelangweilt. Dennoch verliert der Film ohne adäquates Hintergrundwissen viel von seinem Flair. Kurzum: Für Fans ein Muss, alle anderen können darauf verzichten.

Bild: gut Ton: gut Synchronisation: gut Musik: gut Schauspielerische Leistung: befriedigend Drehbuch/Regie: befriedigend Kamera: befriedigend

Filmwertung für „My Name is Bruce“: BEFRIEDIGEND – Note 3,2



Liberty Stands Still - Im Visier des Mörders
Genre: Thriller / Drama Originaltitel: Liberty Stands Still Produktion: D / Kanada 2002 Regisseur: Kari Skogland Darsteller: Linda Fiorentino, Wesley Snipes, Oliver Platt, Martin Cummins, Jonathan Scarfe, Ian Tracey, Brian Markinson FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Kinowelt

Liberty Wallace (Linda Fiorentino) gerät ins Visier des Scharfschützen Joe (Wesley Snipes). Dieser zwingt sie per Handyanruf, sich an einen Hotdogstand inmitten eines kleinen Parks anzuketten. Sollte sie sich weigern, will er mithilfe der im Imbisswagen befindlichen Bombe neben ihr viele weitere Zivilisten töten. Liberty (daher auch der gelungene Filmtitel), ihres Zeichens Vize-Chefin eines Waffenunternehmens, erfährt, dass Joes Tochter durch ein Gewehr ihrer Firma starb und der verzweifelte Vater durch diese Aktion neben der Berichterstattung durch die Medien vor allem strengere Richtlinien für den Waffenverkauf erzwingen möchte.

Der Vergleich mit dem im selben Jahr produzierten Blockbuster „Nicht auflegen!“ scheint anfangs durchaus berechtigt. Doch der Zuschauer merkt schnell, dass hier andere Ansätze im Vordergrund stehen. Beispielsweise hat der Scharfschütze von Anfang an ein Gesicht, was zusammen mit dem tragischen Hintergrund zu Sympathien für den vermeintlichen Killer führt. Vor allem die Schauspieler (ja, auch Wesley Snipes!) wissen dabei zu überzeugen, was dem nicht immer ganz logischen Psychoduell eine gehörige Portion Spannung beimischt. Neben dem Techno-Gedudel aus den End-90ern kann man vor allem über Joes Ansatz streiten: Dieser will mit Hilfe von Waffen den Verkauf ebendieser einschränken. Wer diese Kritikpunkte verzeihen kann, darf sich auf einen insgesamt gelungenen Thriller mit einigen dramatischen Elementen freuen, der zwar das Genre nicht neu erfindet, aber stets kurzweilig ist.

Bild: befriedigend Ton: gut Synchronisation: gut Musik: befriedigend Schauspielerische Leistung: gut Drehbuch/Regie: befriedigend Kamera: gut

Filmwertung für „Liberty Stands Still“: BEFRIEDIGEND – Note 2,6



Anmerkung: Getestet wurden die Filme als Beileger des SFT-Magazins 07/11, das noch bis Ende des Monats am Kiosk zu haben ist. Außerdem sind auf dem Silberling drei Trailer enthalten. Wer mehr über die Zeitschrift erfahren möchte, klickt hier oder hier.

8. Juli 2011

TV-Tipps: Nikitas Gesetz der verbrecherischen Erbsen

Jeweils drei Dramen und Thriller lassen in der kommenden Fernsehwoche nur auf den ersten Blick mangelnde Abwechslung vermuten. Durch die verschiedenen Ansätze sind die Filme schwer zu vergleichen, auf unterschiedliche Weise aber in jedem Falle sehenswert - ebenso wie der lang ersehnte Start der neuen Fußballsaison, versteht sich.

Samstag, 09.07.2011:

BR, 20.15 Uhr: Erbsen auf halb 6
Sehr sympathisches Road Movie um einen erblindeten Theaterregisseur, der ohne Sehkraft die Hoffnung verliert, durch eine Leidensgenossin aber langsam wieder ins Leben zurück findet. Wer auf ruhige, intensive Dramen steht und auch vor einer akzeptablen Prise Romantik nicht zurückschreckt, sollte sich diesen Geheimtipp nicht entgehen lassen.

Sonntag, 10.07.2011:

PRO 7, 22.20 Uhr: Das Gesetz der Ehre
Düsterer Thriller mit Edward Norton als Polizisten, der in seinem Bruder und seinem Schwager (Colin Farrell) mögliche Verantwortliche für den Tod von vier Kollegen sieht. Ich hatte mir trotz eines sehr gemischten Presseechos mehr erhofft. Doch auch wenn das Drehbuch schwächelt: Colin Farrell und vor allem Edward Norton spielen so gekonnt, dass sich das Ansehen lohnt.

Montag, 11.07.2011:

PRO 7, 0.50 Uhr*: Lakeview Terrace
Direkt vor und nach dem Tagestipp vom Sonntag terrorisiert Samuel L. Jackson seine neuen Nachbarn schlicht deshalb, weil sie schwarz und er weiß ist. Trotz einiger Logiklöcher vermag der Streifen durchaus zu fesseln und auch emotional an die Opfer zu binden.

Dienstag, 12.07.2011:

ARTE, 20.15 Uhr: Nikita
Eine Drogenabhängige tötet einen Polizisten und wird fortan zur Auftragsmörderin. Der dritte Thriller in Folge stellt für mich leider kaum mehr dar als einen Appetitanreger auf Luc Bessons Quasi-Nachfolger „Léon der Profi“. Am Ende von „Nikita“ ist Jean Reno alias Léon bereits in einer kleinen Nebenrolle zu sehen.

Mittwoch, 13.07.2011:

TELE 5, 22.05 Uhr: An American Crime
Eine Pflegemutter sperrt die Tochter eines Schausteller-Ehepaares in den Keller ein und foltert diese fortan gemeinsam mit den Nachbarskindern. Wer Lust auf ein Feel-Good-Movie hat, sollte dieses aufwühlende und kompromisslose Drama besser nicht sehen. Vor allem im Wissen, dass dieses Verbrechen auf einem wahren Fall beruht, macht das Ganze nicht leichter. Ellen Page spielt die grundlos Gequälte absolut herausragend. Mein Highlight der Woche.

Donnerstag, 14.07.2011:

ARTE, 20.15 Uhr: Palermo Shooting
Ein Fotograf findet in Sizilien Wege aus seiner Lebenskrise. Trotz des Hauptdarstellers (Sänger Campino von den Toten Hosen) reizt mich Wim Wenders Drama schon lange, vor allem wegen der teils äußerst positiven, mitunter aber auch vernichtenden Kritiken. Am Donnerstag werde ich mir meine eigene Meinung bilden können.

Freitag, 15.07.2011:

SPORT 1, 22.30 Uhr: Hattrick - 2. Liga
Endlich geht der Ligabetrieb wieder los. Junioren- und Frauen-WM schön und gut, aber auf den ersten Zweitligaspieltag freue ich mich dann doch mehr. Vor allem, weil die Partien Cottbus gegen Dresden, FSV Frankfurt gegen Union Berlin und Fürth gegen die Frankfurter Zwietracht die Vorfreude auf die zwei Wochen später startende 1. Bundesliga weiter schüren.

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Die Untipps der Woche:

Sommermädchen 2011 & Terminator 3
Schwere Entscheidung, was nun verachtenswerter ist: Das idiotische Casting nach dem „Sommermädchen 2011“, mit dem uns PRO 7 quält, oder aber der seinen Vorgängern in allen Punkten unterlegene „Terminator 3“, den ebenfalls PRO 7 ausstrahlt… Während ich erstgenannte Sendung aus Angst um meine Gesundheit wohl nie sehen werde, kann ich über Arnold Schwarzeneggers dritten Auftritt in seiner Paraderolle mehr schreiben: Der zweite Teil gefiel mir wirklich sehr, doch die grausame Story, lächerlichen Spezialeffekte und miserablen Schauspieler machen den dritten Teil der Terminator-Saga zu einem ebenso hanebüchenen wie bemitleidenswerten Actioner. Wer sich selbst überzeugen will, kann dies am Freitag um 21.40 Uhr auf dem oben erwähnten Sender tun - aber dass mir nachher keiner sagt, ich hätte ihn nicht gewarnt!

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Montag läuft also in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Top-Sender der Woche: ARTE (zwei Empfehlungen)

PRO 7 schenkt uns zwar zwei sehenswerte Filme, muss aber ARTE als Top-Sender der Woche den Vortritt lassen - denn wer ahnungslosen Zuschauern gleich zwei Untipps präsentiert, hat keine Auszeichnung verdient. Nun ist eure Meinung gefragt. Eure Tipps sind hier ebenso gerne gesehen wie die Kritik zu den von mir empfohlenen Programmen.

1. Juli 2011

TV-Tipps: Unzerbrechliche Boxer verlieben sich im Labyrinth

Die Umzugspause hat endlich ein Ende - daher herzlich Willkommen zurück bei den TV-Tipps! Die kommende Woche wird von tollen, abwechslungsreichen Filmen namhafter Regisseure und einem lang ersehnten Sport-Event bestimmt:

Samstag, 02.07.2011:

RTL, 21.45 Uhr: Boxen: Wladimir Klitschko vs. David Haye
Zwei Termine für den lang erwarteten Titelvereinigungskampf im Schwergewichtsboxen hat der „Hayemaker“ bereits abgesagt, weil er angeblich körperlich beziehungsweise durch die Knebelverträge der Klitschko-Brüder monetär verletzt war. Nun soll der wahrscheinlich reizvollste Boxkampf der letzten fünf bis zehn Jahre endlich steigen. Gewinnt Klitschko, nimmt er Haye den WBA-Gürtel ab und hat dann zusammen mit seinem Bruder Vitali die wichtigsten Titel in Familienbesitz. Ob Haye sich diesmal traut, in den Ring zu steigen? Ich glaube es erst, wenn zur ersten Runde geläutet wird und die Fäuste endlich fliegen!

Spezial-Tipp für alle am Boxsport Uninteressierten: Infestation (Tele 5, 20.15 Uhr)

Sonntag, 03.07.2011:

ARTE, 20.15 Uhr: Wahnsinnig verliebt
Audrey Tautou spielt hier den verrückten Gegenpart zur charmant-zauberhaften Amélie und kämpft um die Liebe des Arztes Loïc. Der Film wird dabei zuerst aus ihrer, später aus seiner Perspektive gezeigt. Entstanden ist ein französischer Psycho-Thriller, wie er besser kaum sein könnte. Mein Highlight der Woche!

Montag, 04.07.2011:

PRO 7, 02.45 Uhr*: Watchmen - Die Wächter
Zack Snyders Comicverfilmung wird sehr kontrovers betrachtet: Von manchen als beste Superhelden-Adaption gefeiert, schütteln andere nur den Kopf. Meiner Meinung nach kommt „Watchmen“ zwar nicht an „Sin City“ oder Christopher Nolans „Batman“-Reihe ran, ist aber dennoch absolut sehenswert. Wer mehr wissen möchte, kann sich meine Rezension zu Gemüte führen.

Dienstag, 05.07.2011:

TELE 5, 22.00 Uhr: Full Metal Jacket
So intensiv, beklemmend und realistisch konnte nur Stanley Kubrick den Vietnamkrieg verfilmen. Zwar habe ich den Streifen schon lange nicht mehr gesehen, doch bleiben einige Szenen unweigerlich im Gedächtnis. Da aber auch das Gesamtkunstwerk zu überzeugen weiß, sollte man sich überlegen, ob man auf die werbefinanzierte Fassung verzichtet und besser gleich zur DVD greift…

Mittwoch, 06.07.2011:

KABEL 1, 22.10 Uhr: Pans Labyrinth
Die kleine Ofelia erfährt, dass sie eigentlich Prinzessin eines unterirdischen Reiches ist - eine gute Ablenkung zu ihrem Leben beim faschistischen Stiefvater. Zwar hatte ich mir von dieser düsteren Variante der „Alice im Wunderland“ mehr inhaltlichen Tiefgang erwartet, doch auch so ist Guillermo del Toros Fantasy-Drama eine interessante und lohnenswerte Erfahrung.

Donnerstag, 07.07.2011:

KABEL 1, 0.25 Uhr*: Unbreakable - Unzerbrechlich
Riesengroß waren meine Erwartungen an den Regisseur M. Night Shyamalan, der mit „The Sixth Sense“ einen herausragenden Film ablieferte, dem er mit „Unbreakable“ einen komplett anderen, aber nicht weniger fesselnden Mystery-Thriller folgen ließ. Schade, dass anschließend zwar das Budget stieg, die Qualität hingegen immer mehr abnahm… Doch zurück zum Tagestipp: Bruce Willis spielt einen Mann, der scheinbar unverletzlich ist und der vor allem für den von Samuel L. Jackson verkörperten Comicsammler mit Glasknochenkrankheit zum Objekt des Interesses wird. Das ist spannend, gut gespielt und somit absolut zweifelsohne empfehlenswert.

Freitag, 08.07.2011:

PRO 7, 20.15 Uhr: München
In diesem Thriller Steven Spielbergs werden die Folgen des terroristischen Anschlags palästinensischer Terroristen gegen die israelische Olympiamannschaft 1972 in München beleuchtet. Mich vermochte der Streifen nicht vollends zu überzeugen, wenngleich er handwerklich sicherlich gut gemacht ist. Übrigens entstand keine einzige Szene in der Landeshauptstadt Bayerns.


Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Montag läuft also in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Top-Sender der Woche: KABEL 1 und PRO 7 (je zwei Empfehlungen)

Stanley Kubrick, Guillermo del Toro, Steven Spielberg, M. Night Shyamalan, Zack Snyder: Selten bot eine Filmwoche so viele empfehlenswerte Streifen bekannter Regisseure! Und dennoch ist mein Highlight der Woche (neben dem Boxkampf) „Wahnsinnig verliebt“, das Langfilmdebüt der jungen franzsösichen „Réalisatrice“ Laetitia Colombani. Seid ihr mit der Auswahl einverstanden oder hab ihr bessere Tipps auf Lager? Immer her damit, der Kommentarbereich steht euch offen!

24. Juni 2011

Double-Feature: Infestation / The Yards

Infestation
Genre: Horror-Komödie Originaltitel: Infestation Produktion: USA 2009 Regisseur: Kyle Rankin Darsteller: Chris Marquette, Ray Wise, Brooke Nevin, Linda Park, Alex Revan, Diane Gaeta, Jim Cody Williams FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Capelight / Universum

Cooper (Chris Marquette) nimmt seinen Job ebenso wenig ernst wie sein gesamtes Leben und wird daher fristlos entlassen. Allerdings kann ihm das egal sein, denn noch bevor er das Bürogebäude verlassen kann, ertönt ein ohrenbetäubender Lärm, der die gesamte Belegschaft ohnmächtig werden lässt. Einige Tage später wacht er auf und muss feststellen, dass gewaltige Käfer alle Menschen zwar am Leben lassen, aber in Kokons verpuppen. Er gründet daher eine Quoten erfüllende gemischt-ethnische Gruppe, welche dem Geheimnis der Käfer auf die Schliche kommen will. Doof nur, dass viele Mitstreiter auf de Flucht das Zeitliche segnen oder gar mutieren…

„Infestation“ ist eine überraschend gute Horror-Komödie, welche zwar nicht so einfallsreich wie "Zombieland" daher kommt, aber dennoch über die gesamte Laufzeit zu unterhalten weiß. Und das trotz aller Klischees: die blonde Frau ist ängstlich, dumm und entblößt ihre sehenswerte Oberweite, die schwarzen Männer sind sympathische, toughe Kämpfer und der Protagonist verliebt sich in eine geheimnisvolle Mitstreiterin. Leider wurden auch einige Logiklöcher der Genrekollegen übernommen. Dennoch ist es jederzeit kurzweilig, den unbekannten, aber gut agierenden Schauspielern bei ihrer Flucht vor den schwarzen Rieseninsekten zuzusehen. Da das Ganze auch auf technischer Seite (trotz manchem schwachen Effekt) und in der Lokalisierung zu überzeugen weiß, kommen nicht nur Genre-Fans auf ihre Kosten - sofern sie eher Spaß als inhaltliche Substanz erwarten.

Bild: gut Ton: sehr gut Synchronisation: gut Musik: gut Schauspielerische Leistung: gut Drehbuch/Regie: gut Kamera: befriedigend

Filmwertung für „Infestation“: GUT – Note 2,3




The Yards - Im Hinterhof der Macht
Genre: Drama / Thriller Originaltitel: The Yards Produktion: USA 2000 Regisseur: James Gray Darsteller: Mark Wahlberg, Joaquin Phoenix, Charlize Theron, James Caan, Ellen Burstyn, Faye Dunaway, Steve Lawrence FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): United Video / Kinowelt

Weniger spaßig, dafür mit einer stärkeren Story kommt „The Yards“ daher. Zwar weiß ich auch nach dem Film nicht wirklich, was der deutsche Untertitel „Im Hinterhof der Macht“ bedeuten soll, viel mehr frage ich mich aber, warum der mit zahlreichen Stars besetzte Streifen hierzulande eher unbekannt ist. An der filmischen Qualität liegt es jedenfalls nicht…

Leo (Mark Wahlberg) steigt nach einer sechzehnmonatigen Haftstrafe wegen Autodiebstahls in die Firma seines Onkels Frank (James Caan) ein, welche Nahverkehrszüge herstellt und repariert. Auf der Suche nach schnellem Geld geht er jedoch nicht den sicheren Weg der Ausbildung, sondern schließt sich seinem besten Freund Will (Joaquin Phoenix) an, der Anzugträger vor der Auftragsvergabe besticht und Konkurrenzbetriebe infiltriert. Doch eines Tages geht ein Ausflug der beiden ungleichen Freunde schief, weshalb Will aus Angst um den Verlust seiner Position seinem Kumpanen Leo gar einen Mord anhängen will.

Neben den aufgeführten männlichen Darstellern überzeugen auch die Frauen an deren Seite: Charlize Thron (darf ebenfalls oben ohne bewundert werden), Ellen Burstyn und Faye Dunaway tragen dazu bei, dass „The Yards“ eher intensives Drama denn spannungsgeladener Thriller ist. Den glaubhaften Charakteren, der angenehm ruhigen, aber intensiven Stimmung steht lediglich eine mitunter schwächelnde Technik gegenüber, die neben dem grieseligen Bild vor allem beim Ton stört: So gerät die Klangkulisse zu laut, die Stimmen gehen etwas unter und sind in der sonst sehr guten Synchronfassung oft unpassend gemischt worden. Dies tut dem ansonsten sehr sehenswerten Drama um einen Ex-Häftling, der wieder auf die falsche Bahn abzurutschen droht, keinen Abbruch, weshalb ich auch hier eine Empfehlung aussprechen kann.

Bild: befriedigend Ton: befriedigend Synchronisation: gut Musik: gut Schauspielerische Leistung: sehr gut Drehbuch/Regie: gut Kamera: gut

Filmwertung für „The Yards - Im Hinterhof der Macht“: GUT – Note 2,2



Anmerkung: Getestet wurden die Filme als Beileger des SFT-Magazins 06/11, das nur noch bis zum 28. Juni am Kiosk zu haben ist. Außerdem sind auf dem Silberling drei Trailer enthalten. Wer mehr über die Zeitschrift erfahren möchte, klickt hier oder hier.

21. Juni 2011

Kurz kritisiert: The Tree of Life

Genre: Drama / Fantasy Originaltitel: The Tree of Life Produktion: USA 2010 Regisseur: Terrence Malick Darsteller: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Laramie Eppler, Tye Sheridan, Fiona Shaw FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des verlinkten Filmplakats und der weiteren Bilder): Concorde

Wie die meisten Filmfreunde fing auch bei mir die Leidenschaft des Filmsammelns mit Hollywood-Blockbustern an. Die sind in der Regel leichte Kost, richten sich an ein breites Publikum, machen es dem zuschauer in der Regel leicht, Sympathien und ähnliche Gefühle zu entwickeln, welche ihm helfen, den Film zu verstehen und zu mögen. Doch irgendwann wendete ich mich immer mehr von dieser ständig gleichen Fließbandproduktion ab, denn bis auf wenige und äußerst seltene Ausnahmen wird schlicht das gezeigt, was die meisten Zuschauer in die Kinos treibt, den Gewinn maximiert. So entdeckte ich Independentfilmgrößen wie Lars von Trier und Jim Jarmush für mich, interessierte mich mehr für schwedische, französische, südamerikanische Streifen. Denn diese boten Innovation, Mut und den Blick auf die Aussage, weniger auf die Befindlichkeiten des durchschnittlichen Filmfreunds. Doch dass ich längst nicht an allem, was neu ist, was als Kunst bezeichnet wird, auch wirklich Gefallen finden kann, wurde am gestrigen Abend beim Kinobesuch von „The Tree of Life“ überdeutlich.

Grundsätzlich geht es im Film um den jungen Jack (Hunter McCracken), der im Amerika der 50er-Jahre zusammen mit seinen beiden Brüdern von seinem strengen, fast schon launischen Vater (Brad Pitt) und der einfühlsamen Mutter (Jessica Chastain) zwei grundverschiedene Beziehungsansätze erlebt, die sich nur in wenigen Punkten überschneiden, etwa in der Ausübung des starken Gottesglaubens. Doch immer wieder sieht man auch den erwachsenen Jack (Sean Penn), der immer scheinbar ruhelos von den Erlebnissen seiner Kindheit durch gläserne Bürokomplexe und über Strände läuft.

So weit, so nachvollziehbar. Doch Regisseur Terrence Malick möchte nicht nur Jacks Kindheit in zahlreichen kurzen Szenen rekapitulieren, sondern gleich die Entstehungsgeschichte der ganzen Erde erzählen, weshalb er nach etwa einer Viertelstunde völlig unerwartet vom Urknall an das aufkeimende Leben zeigt und sogar einige Minuten später mittelprächtig animierte Dinosaurier (!) durch die Wälder hüpfen lässt. Meines Erachtens wird man hier vom Regisseur fälschlicherweise allein gelassen, quält sich fast durch die ellenlangen Szenen, die man weder erwartet noch erhofft hatte. Paradoxerweise zeigt sich der Film jedoch gerade hier von seiner stärksten Seite: Die grandiosen Bilder und vor allem die wunderschöne klassische Musikuntermalung von Alexandre Desplat werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

„Sag mal, geht das jetzt die ganze Zeit so?“ (Die Frage einer lästigen, weil häufig kommentierenden Zuschauerin an ihren Begleiter, als man nach etwa zwanzig Minuten tatsächlich meinen konnte, die Filmrollen von „The Tree of Life“ und einer BBC-Dokumentation über den Urknall seien vertauscht worden.)

Auch die Schauspieler spielen durchaus gut, allerdings konnte ich nur selten mit ihnen mitfühlen, da es der Film nicht vermochte, mich emotional ins Boot zu holen. Schade. So wirkten die meisten der zahlreichen Off-Kommentare (mal vom Vater, mal von den Eltern) abwechselnd befremdlich oder gar unfreiwillig komisch. À propos Kommentare: Sean Penn, der ja den erwachsenen Jack spielt, hat in Deutschland mit Tobias Meister denselben Synchronsprecher wie Brad Pitt. Da letzterer aber deutlich häufiger zu sehen ist, wird Penn leider von Marcus Off gesprochen, was eine grauenhaft unpassende Wahl war. Glücklicherweise spricht er kaum, sondert schaut meistens nur bedrückt…


Am Ende bleibt ein einhundertachtunddreißigminütiges Intro voller Erinnerungsschnipsel, künstlerisch anspruchsvoller Bilderwelten und einem tollen Soundtrack. Aus meiner Sicht ein klarer Fall von „Style over Substance“ – ich hatte mir aber gerade von der Aussage des Films mehr erhofft als einen Haufen Eindrücke, aus dem der Zuschauer gefälligst selbst etwas herausziehen soll. So stellte sich mir und den meisten der anderen ratlos wirkenden Kinogänger bereits lange vor dem Abspann die Frage: Ist das noch Kunst oder kann das weg?

Filmwertung: AUSREICHEND – Note 3,9