„Mein Job besteht im Wesentlichen darin, die Verachtung zu verbergen, die ich gegen die leitenden Arschlöcher hege, und einmal am Tag die Herrentoilette aufzusuchen, um mir ordentlich einen zu wichsen.“
Lester Burnham (Kevin Spacey) führt ein lediglich auf den ersten Blick beschauliches Leben: Er hat einen langweiligen Job in der Werbebranche, lebt in einer symmetrisch angelegten Kleinstadtsiedlung mit einer Frau zusammen, für die er kaum mehr als Abscheu empfindet und hat eine Tochter, die ihn hasst. Es ist seine Geschichte. Doch gleichzeitig geht es um seine von Selbstzweifeln zerrissene Gattin, die Maklerin Carolyn (Annette Bening), die sich in eine skurrile Affäre mit dem „König der Immobilien“ stürzt. Und wir sehen seine Tochter Jane (Thora Birch), die mit dem – nach eigener Ansicht – schönsten Mädchen der Schule (Mena Suvari) befreundet ist und nebenbei von ihrem Nachbarn, dem oben bereits erwähnten Ricky Fitts, gefilmt wird, nach und nach aber den Jungen hinter der Kamera immer besser kennen lernt. Jenen Hobbyfilmer nämlich, der versucht, irgendwie mit seinem von Militärwahnsinn und Schwulenhass geprägten Vater und seiner apathischen Mutter zusammen zu wohnen. Und, und, und.
„Manchmal habe ich das Gefühl, all die Schönheit auf einmal zu sehen. Doch das ist einfach zu viel. Mein Herz fühlt sich dann an wie ein Ballon, der kurz davor ist zu platzen. Und dann geht mir durch den Kopf: Ich sollte mich entspannen und aufhören zu versuchen, die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen. Und ich kann nichts empfinden außer Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment meines dummen kleinen Lebens.“
Sam Mendes erzählt in knapp zwei Stunden so viel über diese so unterschiedlichen Charaktere. Er beleuchtet jeden davon so genau, wie es manch anderem Film nicht annähernd bei dessen Protagonist gelingt. Doch „American Beauty“ ist mehr als eine Charakterstudie: Es ist gleichzeitig eine scharfsinnige Satire, eine pointierte Komödie und ein mitreißendes Drama über das Leben. Sieht man den Filmtitel, könnte man Schlimmstes erahnen. Doch es geht um ein Amerika ganz ohne Pathos. Und um die Schönheit ohne jeden Kitsch. Alles in allem ein Film, den man gesehen haben sollte. Oder besser: den man gesehen haben muss.
Filmwertung: SEHR GUT – Note 1,1
